Mayday Relay - Eine Dilemma-Geschichte für die Sekundarstufe

Mayday Relay - Eine Dilemma-Geschichte für die Sekundarstufe

Die Panik in der Stimme des Mannes dringt übers Funknetz durch bis in die Kajüte der kleinen Yacht, auf der Segler Max (Rainer Sellien) und seine Tochter Emily (Odine Johne) auf dem Mittelmeer unterwegs sind. „Mayday“, ein Boot ist in Not. Max ändert den Kurs, versucht einen Frachter zu erreichen, der vielleicht näher ist und besser helfen könnte. Schließlich befinden sich mehr als hundert Menschen auf dem havarierten Boot, möglicherweise Flüchtlinge. Max selbst könnte aber nur einen Teil aufnehmen. Als klar wird, dass der Frachter nicht kommen wird, müssen Max und seine Tochter eine schwierige moralische Entscheidung treffen.

„In MAYDAY RELAY verhandelt Regisseur Florian Tscharf moralische Pflicht in einer Extremsituation anhand eines aktuellen Themas. Inszenatorisch geht er dabei äußerst sicher vor. Über die kurzen Funkkontakte werden allmählich Informationen gestreut, die im Zusammenspiel mit längeren und ruhigeren Passagen Spannung generieren. Auch darstellerisch bewegt sich der Film auf sehr hohem Niveau: im besorgten Gesicht des Vaters, von Rainer Sellien eindringlich gespielt, spiegelt sich der unüberbrückbare Zwiespalt zwischen der Verantwortung zum Handeln und dem Wunsch, sich der Situation aufgrund eines Sicherheitsbedürfnisses für sich und seine Tochter so schnell wie möglich zu entziehen.“ Quelle: Pressetext FBW-Filmbewertung

Zielgruppe:            Sekundarstufe I
Stichworte:            Notsituation, Meer, Flüchtlinge, Drama, Dilemma
Altersempfehlung:  ab 14 Jahren
Fächerzuordnung:  Religion/Ethik, Politische Bildung/Gemeinschaftskunde

Begleitendes Material (Auswahl)

Infos zur DVD
Inhaltsübersicht, Gliederung der DVD

Anknüpfungspunkte zu den Bildungsplänen
von Baden-Württemberg

Meine Standpunkte zum Thema Flüchtlinge
Arbeitsblatt M01

Der barmherzige Samariter - Nächstenliebe, wie Jesus sie versteht
Arbeitsblatt M16a

Menschliche Werte...
Arbeitsblatt M19

Medientipps

Von Ina Hochreuther
 

Literatur

 
Dilemma:
 
Martin Cohen: 99 moralische Zwickmühlen: Eine unterhaltsame Einführung in die Philosophie des richtigen Handelns. Piper Taschenbuch 2010.
Muss man zu viel erhaltenes Wechselgeld zurückgeben, oder darf man es einfach behalten? Ist es unmoralisch, ein Übel mit einem anderen zu bekämpfen? Ist eine Notlüge verwerflich? Und was würde Immanuel Kant dazu sagen? Martin Cohen stellt in 99 unterhaltsamen Geschichten ernste und vergnügliche ethische Zwickmühlen vor, gibt Denkanstöße, diskutiert mögliche Lösungen und berichtet, zu welchen Schlüssen die großen Philosophen gekommen sind.

William K. Frankena: Ethik: Eine analytische Einführung. Springer VS, 6. Aufl. 2016.
W. K. Frankenas kleine „Ethik“ ist aus gutem Grund ein moderner Klassiker unter den philosophischen Lehrbüchern. Das Buch bietet einerseits eine sehr gut verständliche und knappe Einführung in alle wichtigen Themen der Ethik, in ihre Grundbegriffe und in die wichtigsten theoretischen Ansätze. Andererseits lernt der Leser in Grundzügen die analytischen und argumentativen Instrumente kennen, mit denen ethische Fragen und Probleme auf eine philosophisch klare Weise behandelt werden können.

Otfried Höffe: Einführung in die utilitaristische Ethik: Klassische und zeitgenössische Texte. UTB, 5. Auflage 2013. Der Utilitarismus ist seit Jeremy Bentham (1748-1832) und John Stuart Mill (1806-1873) eine der einflussreichen und lebhaft diskutierten ethischen Theorien. Seine Bedeutung für die Moralphilosophie und für die philosophische Grundlegung der Rechts, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften reicht weit über den englischen Sprachraum hinaus. Die wichtigsten klassischen und zeitgenössischen Texte des Utilitarismus werden dem deutschsprachigen Leser hier zugänglich gemacht. Zusammen mit der instruktiven und kritischen Einleitung des Herausgebers, die auch neue Entwicklungen berücksichtigt, bietet die Textsammlung Philosophen, Theologen, Politologen, Nationalökonomen, Juristen und allen an moralphilosophischen Fragen Interessierten eine umfassende Einführung.
 
Inga Piel: Wie soll ich mich entscheiden? Dilemmageschichten mit Arbeitsanregungen für Jugendliche. Verlag an der Ruhr 2009.
Unterrichtsmaterial für Lehrer an weiterführenden Schulen, Fächer: Praktische Philosophie, Ethik, Religion, Klasse 5–10. Muss ich einschreiten, wenn mein bester Freund eine CD klaut? Entweder stelle ich meine Überzeugung hinten an – dann schaue ich tatenlos einer Straftat zu. Oder ich tue das moralisch Richtige – und verliere möglicherweise einen Freund. Ob einfach oder schwierig, ob Alltag oder Philosophieunterricht: Oft stolpere ich über Situationen, die mich in eine Zwickmühle bringen. Doch auch in einer Zwangslage bleibt nichts anderes übrig, als eine Entscheidung zu treffen. Mit Hilfe dieser Arbeitsblätter können sich Schüler anhand von Geschichten, Situationen und Hintergrundinformationen mit solchen Dilemmata auseinandersetzen: Sie versetzen sich in die Rolle der betroffenen Person, diskutieren Lösungsvorschläge in der Gruppe, spielen einen Sachverhalt nach und suchen gemeinsam nach Wegen aus der Ausweglosigkeit. So lernen sie im Unterricht, mit Gewissenskonflikten umzugehen, Situationen zu bewerten, eigene Standpunkte zu entwickeln und diese gegenüber anderen zu vertreten. Und vielleicht finden sie doch den bestmöglichen Ausweg. Die Kopiervorlagen sind für die Sekundarstufe an Realschulen, Hauptschulen und Gymnasien.

Migration:

Buntz, Herwig: Migration in der Geschichte: Ein Arbeitsbuch für den Unterricht. Wochenschau Verlag 2014.
Der Begriff Migration bezeichnet ein aktuelles Phänomen mit globaler Dimension. Dabei sind Migrationen seit jeher wesentliche Bestandteile der menschlichen Geschichte, die sich seit der Urzeit in unterschiedlichen Formen und Ausmaßen vollzogen haben. Den Schwerpunkt des Buches bilden 16 Einzelkapitel zu je unterschiedlichen Migrationserscheinungen. Die Bandbreite reicht dabei von der Wanderung des Frühmenschen über antike Kolonisation, Sklavenhandel, die Wanderungen der Juden bis hin zu Migrationen des 20. Jahrhunderts (Vertreibung, Aussiedlung, Flucht, „Verbesserungsmigration“). Alle Kapitel enthalten eine inhaltliche und didaktische Einführung und einen Materialteil (Texte, Bilder, Karten, Statistiken), der durch Arbeitsaufträge erschlossen wird. Fächerübergreifende Dimensionen des Themas werden stets berücksichtigt.

Oltmer, Jochen: Globale Migration. Geschichte und Gegenwart. C. H. Beck, München, 2. u. ergänzte Auflage 2016.
Jochen Oltmers souveräner Überblick zeigt die Hintergründe, Formen und Konsequenzen globaler Migration in der Neuzeit und schildert die großen Bevölkerungsbewegungen, die die Welt im 19. und 20. Jahrhundert fundamental geprägt haben. Für die Neuauflage hat Jochen Oltmer den Band um ein Kapitel zur aktuellen Flüchtlingskrise ergänzt. Quelle: KNO
 
Jugendbücher zum Thema Migration:

Abawi, Atia: Der geheime Himmel. Eine Geschichte aus Afghanistan. Aus dem Amerikanischen von Bettina Münch, dtv Verlagsgesellschaft (deutsche Erstausgabe) 2015. Von 14 Jahren an.
Wir hören vom Leid der Flüchtlinge aus Syrien, aus Afghanistan und aus vielen anderen Ländern, die bei uns auf ein besseres Leben hoffen. Aber wir ahnen nur, wie es in ihrer Heimat zugeht. Die Journalistin Atia Abawi gibt uns in ihrem Romandebüt „Der geheime Himmel“ die Ahnung von einer komplett anderen Lebenswirklichkeit in Afghanistan. Dabei handelt es sich nicht um ein Flüchtlingsschicksal – höchstens um ein landesinternes – eher geht es um eine Art „Romeo und Julia“-Geschichte von einer verbotenen Liebe in einer disparaten Gesellschaft, die den Begriff Freiheit im Sinne eines selbst bestimmten Lebens kaum kennt.   Die fünfzehnjährige Fatima lebt in einem abgeschiedenen Dorf. Als ihr um zwei Jahre älterer Kindheitsfreund Samiullah unerwartet von einer Religionsschule aus der Stadt zurückkehrt, spürt sie, dass es viel mehr als Erinnerungsfreude ist, die sie bewegt. Auch der sanfte junge Mann weiß, dass er in das Mädchen verliebt ist. Aber eine Verbindung ist undenkbar. Sie gehören verschiedenen Ethnien und unterschiedlichen sozialen Schichten an. Sie dürfen sich nicht einmal treffen. Als sie doch heimlich im Wald miteinander sprechen, werden sie von Samiullahs Cousin Rashid beobachtet, dem die Lehrer in eben dieser Religionsschule, welcher der andere den Rücken kehrte, das Hirn vernebelt haben zu einem fanatischen Islamverfechter hin. Er verrät die beiden. Fatima wird daraufhin von ihrer Mutter gnadenlos geächtet, der eigentlich liebevolle Vater will sie einem gleichaltrigen Freund zur Zweitfrau geben, um „die Schande“ von der Familie abzuwaschen. Samiullah und Fatima fliehen, verfolgt von den Banditen einer islamistischen Truppe, der Rashid sich angeschlossen hat, obwohl er schnell durchschaut, dass die Kerle gierig, brutal und gottlos sind. Atia Abawi erzählt in knappen Kapiteln aus den unterschiedlichen Perspektiven der drei Jugendlichen. Damit schafft sie es, bis zu einem gewissen Grad selbst Rashids Motivation nachvollziehbar zu machen. Ihr großer Verdienst liegt darin, wie sie uns in einer atemberaubend fesselnden Geschichte ein zersplittertes, gebeuteltes Land zeigt, dessen dörfliche kulturelle Gepflogenheiten uns völlig fremd sind. Gleichzeitig vermittelt sie ein differenziertes Islambild mit glaubensstarken, großartigen weisen Menschen einerseits, mit einfachen, unter engen gesellschaftlichen Normen agierenden Gläubigen andererseits – und mit perfiden Kriminellen, denen es um Profit und Macht, aber niemals um religiöse Werte geht. Die Autorin, als Kind afghanischer Eltern in Deutschland geboren, wuchs in den USA auf. Sie berichtete fünf Jahre lang als Auslandskorrespondentin für amerikanische Fernsehsender aus Kabul und lebt heute in Jerusalem. Ihr fiktives Jugendbuch wirkt authentisch, ist zutiefst bewegend und gleichzeitig sehr informativ. (Text: Ina Hochreuther in Stuttgarter Zeitung, 23.10.2015)

Carolin Eichenlaub und Beatrice Wallis (Hg.): Neu in der Fremde. Beltz & Gelberg, Weinheim 2016. Ab 14 Jahren.
Die Anthologie „Neu in der Fremde“ bündelt die Erfahrungen von 19 Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen mit den Themen Flucht und Neuanfang auseinandersetzen. Die einen berichten, warum sie ihre Heimat mit der Hoffnung auf ein besseres Leben verlassen mussten und andere, wie sie Menschen bei ihrer Ankunft in der Fremde unterstützen. 
Die Portraits der Frauen und Männer verschiedener Generationen und Herkunftsländer sind getragen von  persönliche Erinnerungen; von fernen Kulturen und fremdem Alltag, von traumatischen Erfahrungen und kleinen Glücksmomenten. Zurück bleibt am Ende die Erkenntnis, dass Wege in die Fremde zu schicksalshaften Begegnungen mit Menschen führen, die bereichern und trotz allen Widrigkeiten optimistisch stimmen.
Wie z.B. das Portrait der 27-jährigen Ramatu aus Nigeria. Ihre Geschichte handelt von einer mutigen jungen Frau und alleinerziehenden Mutter. Mit dem zweiten Kind schwanger, reist sie im Jahr 2015 mit ihrer zwei-jährigen Tochter über Italien nach Deutschland, mit dem Ziel, ihren Kindern eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Zerai dagegen kam bereits 1990 als Jugendlicher mit seiner alleinerziehenden Mutter aus Eritrea nach Deutschland. Er erlebte den Neuanfang als eine Zeit des Scheiterns und der  Ausgrenzung. In der Folge gründet er das „Projekt Moses“, mit dem er nun Ankommende unterstützt.

Namat wurde als 11. Kind ihrer Eltern in Deutschland geboren, die vor dem Krieg im Libanon geflüchtet sind. Für „Neu in der Fremde“ hat sie mit ihren Eltern gesprochen, die von ihrer geglückten Reise in ein sicheres Land erzählen.


Kirche und helfendes Handeln:

Haslinger, Herbert: Diakonie. Grundlagen für die soziale Arbeit der Kirche. Paderborn 2009. Die soziale Arbeit der Kirche muss sich Klarheit verschaffen über ihre gesellschaftlichen Grundlagen, ihre Prinzipien, Ziele und professionellen Einstellungen. Das Handbuch gibt diese Orientierung. Die darin formulierten Grundlagen werden anhand des theologischen Leitbegriffs der Diakonie entwickelt. Studierenden, aber auch Praktikern, die in den verschiedenen Feldern der kirchlichen Sozialarbeit tätig sind, wird dieses Buch ein wertvoller Begleiter sein. Quelle: VLB

Rüegger, Heinz, Sigrist, Christoph: Diakonie – eine Einführung. Zur theologischen Begründung helfenden Handelns. Theologischer Verlag Zürich, 2011.
Mit diesem Band legen die Autoren eine Einführung in die Diakonie als Praxis sozialen Helfens vor. Auf dem Hintergrund biblischer Grundlagen und kirchengeschichtlicher Entwicklungen erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit theologischen Begründungen diakonischen Handelns. Die Autoren gehen von einer dezidiert schöpfungstheologischen Position aus, die anerkennt, dass helfendes Handeln ein allgemeinmenschliches Phänomen ist, das zwar zum christlichen Glauben gehört, aber keine christliche Spezialität darstellt. Ein ausführliches Kapitel widmet sich Aspekten diakonischer Ethik und bietet Orientierungspunkte für helfendes Handeln heute. Quelle: TME
 
 
Audiovisuelle Medien
 

Dilemma:
 
Erledigung einer Sache
Kurzspielfilm von Dustin Loose, Deutschland 2014, f., 20 Min., empfohlen ab 16 Jahren, FSK Lehrprogramm.
Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVK1449.

Nach dem letzten Willen der Mutter soll Jakob seinen Vater aufsuchen, den er Zeit seines Lebens für tot gehalten hat. Dieser sitzt wegen des Eifersuchtsmordes an seinem Bruder seit 25 Jahren in der geschlossenen Psychiatrie. Um den Lebenswillen des depressiven Mannes zu erhalten, soll Jakob ihm versichern, dass er sein leiblicher Vater ist - und nicht der ermordete Onkel, was der Wahrheit entsprechen würde. Jakob ist sich unsicher, ob er dem Willen der Mutter nachkommen soll. Er bittet um ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Doch der vermeintliche Mediziner ist in Wirklichkeit sein Vater, den diese Offenbarung in den Suizid treibt. Auf der ROM-Ebene befindet sich umfangreiches didaktisches Begleitmaterial.
 
Die Farbe des Ozeans
Spielfilm von Maggie Peren, Deutschland / Spanien 2011, f., 92 Min., empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVS740.
Die spanische Küste ist weit weg. Wir hier sind schockiert, aber nie direkt betroffen, wenn tief im Süden mal wieder ein Boot mit halbtoten illegalen Immigranten strandet. In „Die Farbe des Ozeans“ kriegt die deutsche Touristin Nathalie (Sabine Timoteo) ein solches Drama auf einer kanarischen Insel unmittelbar mit. Sie wird Zeugin, wie fast verdurstete senegalesische Flüchtlinge von dem hartherzig wirkenden spanischen Polizisten Josè festgenommen und bis zu ihrer Abschiebung in ein Auffanglager verfrachtet werden. Mit zweien von ihnen, Zola und seinem kleinen Sohn Mamadou, hatte sie zuvor noch kurz Kontakt. Als es den beiden gelingt, wiederum zu fliehen, ruft Zola Nathalie an und bittet sie um Geld. Ihre Hilfe löst eine weitere Katastrophe aus.   Maggie Peren, bislang eher als Drehbuchautorin bekannt, für „Kiss and Run“ etwa erhielt sie den GrimmePreis, erzählt in ihrer zweiten Regiearbeit aus den verschiedenen Perspektiven ihrer drei Hauptfiguren. Josè sieht vor allem die Probleme im eigenen Land. Seine Haltung gegenüber den Immigranten ändert sich, als er privat einen Schicksalsschlag erleidet, den er vielleicht hätte verhindern können, wenn er offener gewesen wäre. Nathalie möchte aus spontaner Sympathie gleichsam zwischen der „ersten“ und der „dritten“ Welt solidarisch vermitteln. Sie unterschätzt die Skrupellosigkeit von Schleppern. Und Zola ersehnt sich einfach nur eine Zukunft für seinen Jungen. Sie bleiben uns als Zuschauern allesamt ein wenig fremd und gerade darin liegt eine Stärke des Films. Er hält uns auf Distanz. Das zeigt sich auch in den verwaschenen Farben, die niemals Unbeschwertheit aufkommen lassen. Maggie Peren hat eine nachdenklich stimmende Momentaufnahme aus dem südlichen Grenzgebiet Europas gedreht, die lieber schwierige Fragen aufwirft als einfache Antworten zu geben. (Text: Ina Hochreuther in Stuttgarter Zeitung, 17.05.2012)

Heart of a Lion
Spielfilm von Dome Karukoski, Finnland 2013, f., 95 Min., empfohlen ab 14 Jahren, FSK 12..
Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVS885.
Es ist Liebe auf den ersten Blick: Als Teppo die schöne Sari kennenlernt, ist es um ihn geschehen. Die beiden werden ein Paar. Bald schon kommt der Tag, an dem Sari Teppo offenbart, dass sie einen Sohn hat. Eigentlich kein Problem, wäre Teppo kein Neonazi und Rhamadhani, Saris Sohn, nicht afrikanischer Herkunft. Doch Teppo nimmt sich vor, aus Liebe zu Sari seine rassistische Weltanschauung zu überdenken. Er möchte eine väterliche Beziehung zu Rhamadhani aufbauen. Ein alles anderes als leichtes Vorhaben, schließlich ist Teppo immer noch Teil der Neonaziszene. Teppo kann Rhamadhani nicht länger verleugnen und der Konflikt eskaliert.

Tabellarischer Lebenslauf
Kurzspielfilm von Laurenz Lerch, Deutschland 2014, f., 29 Min., empfohlen ab 14 Jahren, FSK Lehrprogramm, erschienen als DVD complett mit umfangreichem Begleitmaterial.
Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVK1456.
Was machen mit dem angebrochenen Leben? Gerade hat Moritz sein Abitur bestanden. Sein Berufsweg scheint klar zu sein - zumindest für den stolzen, ehrgeizigen Vater: Ein Praktikum bei der Zeitung ist dem Jungen schon sicher. Danach will er Journalismus studieren. Doch dann trifft Moritz auf Tobias, einen gleichaltrigen umherziehenden Wanderer und Freigeist. Beeindruckt von dessen Lebenseinstellung stellen sich Moritz neue Fragen. Muss man nach dem Schulabschluss direkt das nächste Ziel ansteuern? Welche Erfahrungen machen das Leben aus?
 
Migration:

Bekas
Spielfilm von Karzan Kader, Finnland / Schweden / Irak, 2012, f., 97 Min., empfohlen ab 10 Jahren. Ausleih- und downloadbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVS853.
Kurdistan im Nordirak 1990: Die beiden Brüder Zana und Dana schlagen sich in der von Sadam Hussein beherrschten Region als Schuhputzer durchs Leben. Der eine noch ein Kind, der andere fast ein Jugendlicher haben keine Eltern mehr und kein Zuhause. Trotz Armut, Sorgen und Konflikten blicken sie zuversichtlich in die Welt. Eines Tages können sie heimlich durch ein Guckloch im Gebäude ein paar Szenen aus dem Kinofilm „Superman“ erhaschen, bevor sie ertappt und verjagt werden. Naiv, aber von dem Drang nach einer Perspektive beseelt, beschließen sie, nach Amerika zu gehen, in „die große Stadt, in der Superman lebt”. Dieser Held, so hoffen sie, kann ihre Probleme lösen und alle Bösen, vor allem Saddam Hussein, bestrafen. Doch sie besitzen weder Geld noch Pässe und ihr einziges Transportmittel ist ein Esel, den sie „Michael Jackson” nennen.     Der Regisseur und Drehbuchautor Karzan Kader hat sich in „Bekas“ von eigenen Kindheitserlebnissen inspirieren lassen. Er war sechs Jahre alt, als seine Familie 1988 aus Kurdistan flüchtete und Monate später in Schweden eine neue Heimat fand. Die abenteuerliche Reise seiner beiden kleinen Helden erzählt er bei allen Härten mit viel Humor – ein Wagnis, das ausgesprochen gut funktioniert. Ohne visuelle Effekte und ohne künstliches Licht gedreht, gelingen Kameramann Johan Holmqvist nahezu dokumentarisch wirkende, atmosphärisch dichte Bilder. Dieser Blick auf einen archaischen, von Kriegen gelähmten Landstrich kontrastiert mit der Geschichte von den quirligen, hoffnungsvollen Buben, die ihren Träumen folgen und fest zusammenhalten, selbst wenn manchmal alles aussichtslos erscheint. Ursprünglich als Kurzfilm konzipiert, erhielt Kader 2011 den Studenten-Oscar für „Bekas“. Aber auch die jetzige Kinolangfassung des Films dürfte Jung und Alt gleichermaßen begeistern. (Text: Ina Hochreuther in Stuttgarter Zeitung, 10.04.2014)  
 
Bon Voyage
Animationsfilm von Fabio Friedli, Schweiz, 2011, f., 6 Min., empfohlen ab 14 Jahren.
Ausleih- und downloadbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVK1212. Dutzende Menschen, die ihr Land verlassen wollen, klettern auf einen überfüllten Pritschenwagen. Auf ihrer Reise durch die Wüste und über das Meer gehen viele verloren. Einer kommt durch. Doch gerettet ist er nicht. Vielmehr sieht er sich nun einer ganz anderen Art von Härte gegenüber: Eine Behörde, die über seine Aufnahme zu entscheiden hat. Didaktische DVD mit ausführlichem Begleitmaterial.
 
Einfache Fahrt – Eine Migrationsgeschichte
Dokumentarfilm von Fabio Caramaschi, Italien 2010, f., 30 Min., empfohlen ab 14 Jahren.
Ausleih- und downloadbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVK1134.
Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms steht der 13-jährige Sidi. Er ist der älteste Sohn einer Tuareg-Familie, die durch die Arbeitssuche des Vaters auseinandergerissen wurde. Bald kann der Vater Frau und Kinder nach Norditalien holen. Nur der jüngste Sohn Alkassoum muss zunächst noch in der Wüste bei seinen Großeltern bleiben, wo er Ziegen hütet. Später kommt auch er nach Italien. Sidi will Journalist werden. Er zeigt mit Hilfe seiner Kamera, was das Leben in zwei verschiedenen Kulturen, was Trennungen und Veränderungen für die Menschen bedeuten. Am meisten bewegt ihn die Frage: Wo ist mein Platz und meine Zukunft?

Flucht aus Afrika
Dokumentarfilm von Howard Bradburn / Paul Kenyon, Großbritannien 2015, f., 29 Min., empfohlen ab 14 Jahren.
Ausleih- und downloadbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVK1497.
Am Beispiel afrikanischer Flüchtlinge zeigt diese Dokumentation, warum bereits Kinder und Jugendliche ihre Heimat verlassen und sich auf eine lebensgefährliche Reise begeben, die sie durch fremde Länder und über das Mittelmeer führt. Die zahllosen Bedrohungen, denen sie dabei ausgesetzt sind, werden dabei vor Augen geführt. Auf der ROM-Ebene der DVD befindet sich umfangreiches didaktisches Begleitmaterial.
 
Fluchtursachen und Asylverfahren
Dokumentarfilm, Didactmedia, Deutschland 2016, f., 20 Min., empfohlen ab 10 Jahren.
Ausleih- und downloadbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVK1539.
Jahr für Jahr sind viele Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Niemand flieht freiwillig. Der didaktische  Film benennt Fluchtgründe und zeigt drei Beispiele anerkannter Asylsuchender. Er vermittelt geschichtliche sowie verfassungs- und völkerrechtliche Grundlagen wie das Asylrecht im Grundgesetz oder die UNMenschenrechtskonvention. Der Film zeigt die Unterscheidung von politischer oder religiöser Verfolgung als Asylgrund und einer Anerkennung schutzbedürftiger Flüchtlinge beispielsweise aus Krisen- oder Bürgerkriegsregionen. Zudem grenzt er den ausländerrechtlichen Status von Asylsuchenden und Flüchtlingen zu Migration und EU-Bürgerschaft ab und versachlicht Begriffe und Diskussion. Er gibt einen Einblick in ein Asylverfahren. Begriffe wie Registrierung, Asylantrag, Anhörung, Dublin-Verfahren, Anerkennung oder Abschiebung werden erklärt. Nicht alle Flüchtlinge haben eine Bleibeperspektive. Der Film zeigt die rechtlichen Grundlagen, aufgrund derer viele Flüchtlinge Deutschland in den ersten Wochen, Monaten oder mit Befriedung der Konflikte auch noch nach Jahren wieder verlassen müssen. Andere werden wieder zurück in ihr Land gehen und am Aufbau helfen wollen. Das relativiert hohe Aufnahmezahlen. Der Film zeigt Integrationsmaßnahmen und die Arbeit Ehrenamtlicher in der Flüchtlingshilfe. Er beschreibt staatliche Aufgaben aus dem Asylbewerberleistungsgesetz, die Unterbringung von Flüchtlingen, Arbeitsverbote und Residenzpflicht. Die Produktion versachlicht eine Diskussion, wirft aber auch kontrovers diskutierte Fragen auf und enthält vielerlei Arbeitsmaterialien. 
 
Flüchtlinge – Vom Weggehen und Ankommen
Dokumentarfilm von Michael Klinksik, Deutschland 2015, f., 44 Min., empfohlen ab 14 Jahren.
Ausleih- und downloadbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVK1505.
Die Gründe, warum Menschen aus ihrer Heimat fliehen, sind vielfältig. Ob Krieg, politische oder religiöse Verfolgung, Hunger oder Armut – letztlich ist die Situation für alle Menschen, die sich auf die Flucht begeben, in ihrer Heimat hoffnungslos und verzweifelt, so dass sie sich ein würdiges Leben nur noch in der Fremde vorstellen können. Die Flüchtlinge erhoffen sich einen Zufluchtsort, der zu einer neuen Heimat in einem neuen Land werden kann. Und sie erhoffen sich ein neues Leben, das wieder lebenswert ist. Der Film zeigt die Schritte, die ein Asylbewerber in Deutschland anno 2015 durchläuft, um ein dauerhaftes Bleiberecht zu erhalten, von der Erstaufnahmeeinrichtung bis hin zur Anhörung. Dazu kommt die Integration in die neue Gesellschaft, teilweise mit anderen Werten und Lebensweisen als in vielen der Herkunftsländer. Faizullah aus Afghanistan und Pamodou aus Mali geben einen Einblick in ihr Leben, von den unerträglichen Bedingungen und Gefahren in der alten Heimat bzw. auf der Flucht bis hin zu ihren Bemühungen um Anschluss, bei denen sie sowohl Hilfe als auch Vorurteilen begegnen.
 
 
Linktipps (Stand: Juni 2017)

Unterrichtsmaterialien im Internet


 Bundeszentrale für politische Bildung: Flüchtlinge. Themenblätter im Unterricht/Nr. 109. 2015. http://www.bpb.de/lernen/formate/schulnewsletter-archiv/212897/flucht

Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Auf der Flucht – ist das unser Problem?  mach´s klar! Politik – einfach erklärt 1/2015.
http://www.lpb-bw.de/fileadmin/lpb_hauptportal/pdf/machs_klar/machs_klar_1_15_flucht.pdf

Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Konflikte, Krisen, Kriege … keine Chance für den Frieden? mach´s klar! Politik – einfach erklärt 2/2015.
http://www.lpb-bw.de/fileadmin/lpb_hauptportal/pdf/machs_klar/machs_klar_2_15_konflikte.pdf

Politik & Unterricht. Zeitschrift für die Praxis der politischen Bildung: Toleranz lernen. Zur Auseinandersetzung mit Toleranz und Intoleranz. 1-2016. Hrsg. Von der Landeszentrale für politische Bildung BadenWürttemberg.
http://www.politikundunterricht.de/1_16/toleranzlernen.pdf

Besonders die Materialien:

• M 6: WG-Platz frei! – Wen würde ich auswählen?
• M 8 mit M 16: Das Flüchtlingsheim – eine Dilemmageschichte
• M 9 Das Flüchtlingsheim – Pro und Kontra
• M 12: Gemeinschaft • Krieg, stell Dir vor, er wäre hier
http://www.politischebildung.de/1406.html?&tx_news_pi1%5Bnews%5D=105&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News &tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=f3c1765f6add8ef8cd263b79c0d724a5 
 
Migration:

UNHCR: Genfer Flüchtlingskonvention von 1951.
http://www.unhcr.de/fileadmin/user_upload/dokumente/03_profil_begriffe/genfer_fluechtlingskonvention/Genfe r_Fluechtlingskonvention_und_New_Yorker_Protokoll.pdf
 
Die Seite des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge UNHCR: http://www.unhcr.org/dach/de/

Die Sonderseite der Bundeszentrale für polit. Bildung: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/
 
Die Sonderseite von Brot für die Welt: https://www.brot-fuer-die-welt.de/themen/fachpublikationen/flucht-undmigration/
 
Die Seite der UNO-Flüchtlingshilfe: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/
 
Die Seite des Vereins „Pro Asyl“: https://www.proasyl.de/
 
Die entsprechende Seite der EKD; www.ekd.de/flucht 
(https://www.ekd.de/Flucht-und-Integration-10884.htm)
 
Ausgabe Nr. 55 der Reihe „Fluter“ (http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/fluter/208588/flucht)
 
Ausgabe Nr. 72 der Zeitschrift „Deutschland und Europa“ der baden-württ. Landeszentrale für polit. Bildung http://www.deutschlandundeuropa.de/72_16/fluechtlinge_asyldebatte.htm

Der Filmemacher
 
Florian Tscharf, 1987 geboren, stammt aus Schwäbisch Hall. Von 2008 bis 2011 studierte er Mediendesign an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg und arbeitete im Anschluss für verschiedene Werbeagenturen in München und Hamburg. Den Blick fürs Wesentliche bewies er schon da. Er gewann Preise, etwa beim deutschen Art Directors Club und dessen englischen Pendant D&AD (Design and Art Direction). Seit 2013 studiert er Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg. In diesem Kontext entstand 2016 sein beeindruckender Kurzfilm „Mayday Relay“. Der Film wurde im selben Jahr auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis uraufgeführt, für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert und von der Deutschen Film- und Medienbewertung mit dem Prädikat Besonders Wertvoll ausgezeichnet. Auf dem Filmschool Fest München erhielt er den ARTE-Kurzfilmpreis. Zu diesem Zeitpunkt absolvierte Florian Tscharf gerade ein Auslandsstudium an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem. 
Als Kunstaktion las er am 22. März 2017 das „Thesenpapier Asyl“ der AfD in der nordafrikanischen Wüste vor. In einem Interview begründete er die Idee so: „Mein Gedanke war: Diese Ansätze muss man eigentlich in die Wüste schicken."
2018 will Floran Tscharf, der inzwischen in Berlin lebt, sein Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg beenden. Wir dürfen gespannt sein auf weitere Produktionen...

http://www.floriantscharf.com


Der Autor der didaktischen Materialien
 
Bernd Müllerschön, geb. 1973, Religions- und Sozialpädagoge, entdeckte früh seine Liebe zur Jugendarbeit. Nach seinem Zivildienst im evangelischen Jugendwerk Bezirk Calw und einer Zwischenstation bei HewlettPackard studierte er an der evangelischen Fachhochschule der Karlshöhe Ludwigsburg. Seitdem arbeitet er als Religionslehrer an verschiedenen Schulen, momentan im Landkreis Esslingen. Am Religionsunterricht faszinieren Bernd Müllerschön vor allem zwei Dinge: zum einen die unverbrauchte und oft auch kritische Art, mit der Kinder und Jugendliche die elementaren Fragen unseres Lebens und die Frage nach Gott stellen, zum anderen liegt ihm das Erleben und Einüben von einem echten Miteinander in Klasse und Schule durch spielerisches Lernen, lebhaftes Diskutieren oder dem Einüben von gewaltfreien Konfliktlösungen am Herzen. Bernd Müllerschön lebt mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Töchtern in Ostfildern. 

Preise

Mayday Relay - Eine Dilemma-Geschichte für die Sekundarstufe

DVD Mayday Relay - Eine Dilemma-Geschichte für die Sekundarstufe

69,00 EUR
Mit Recht zur öffentl. Aufführung

44,90 EUR
Rabattpreis für kirchliche Einrichtungen in Württemberg

229,00  EUR
Mit Recht zum Verleih und zur öffentl. Aufführung. Für kirchliche Einrichtungen aus Württemberg 35% Rabatt.

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