War is over, honey - Ein Kurzspielfilm zu den Nachkriegswirren 1945/46

War is over, honey - Ein Kurzspielfilm zu den Nachkriegswirren 1945/46

Einige Wochen nach Ende des Zweiten Weltkrieges sucht eine halb verhungerte junge Frau in einer Scheune nach etwas Essbarem. Sie findet zwei Eier, will das dazugehörige Huhn fangen, wird von der Bäuerin Rosalia ertappt und mit einer Flinte bedroht. Es stellt sich heraus, dass sie und Lisa sich von früher kennen. Beide Frauen haben ihre Lebensgefährten verloren. Rosalias Partner kam auf dem Schlachtfeld um. Lisa war mit einem jüdischen Mann zusammen. Das Paar versuchte, in der Stadt unterzutauchen. Doch die Nazis entdeckten ihren Freund und ermordeten ihn. Alte Vorurteile brechen zwischen den Frauen auf, die Situation eskaliert und wird von einem vorbeikommenden amerikanischen Soldaten missverstanden.
"War is over, honey" verdichtet mit überraschender Pointe auf beeindruckende kompakte und sehr emotionale Weise, die Schrecken des Nazi-Regimes, die Befreiung durch die Alliierten und die Auswirkungen auf die Menschen in der Nachkriegszeit.

Vielseitige Unterrichtsmaterialien zum Fach Geschichte sowie zu Ethik und Religion für die SK I, die von der Nachkriegszeit einen Bogen in die Gegenwart schlagen, runden die DVD ab.

Vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg für den Unterricht empfohlen

Begleitendes Material (Auswahl)

Infos zur DVD
Inhaltsübersicht, Gliederung der DVD

Bezug zu den Bildungsplänen
von Baden-Württemberg

Methodische Ideen

zum Filmeinsatz

Stichpunkte zu den Themen Kriegsende und 8.Mai
Infoblatt M05

"Ihr seid alle mitgelaufen"
Arbeitsblatt M08

Medientipps

Von Ina Hochreuther und Sabine Kögel-Popp


Literatur

Jugendromane zum Thema Nachkriegszeit:

Peter Härtling: Krücke. Verlag Beltz & Gelberg. 6. Auflage 2016, ab 10.
In diesem Jugendroman geht es um Thomas, der in den letzten Kriegsmonaten während eines Transportes seine Mutter verloren hat. Als der Junge endlich vor dem Haus seiner Tante in Wien ankommt, ist er verzweifelt, denn das Haus ist zertrümmert. Da trifft er auf Krücke, einen etwas raubeinigen, kriegsversehrten
Schwarzhändler, mit dem er sich anfreundet. Peter Härtling erzählt eindrücklich von Erfahrungen der Überlebenden in der Nachkriegszeit in Österreich und Deutschland.
Der Roman wurde von Jörg Grünler mit Heinz Hönig in der Hauptrolle als „Krücke“ 1993 verfilmt.

Rudolf Herfurtner: Mensch Karnickel. Deutscher Taschenbuch Verlag 1992, ab 12.
Ein 16jähriger Junge kommt zerlumpt und kahlgeschoren in ein bayerisches Dorf. Als Kind hieß er Clemens Graber. Durch seine Flucht vor den Russen am Ende des zweiten Weltkriegs ist aus ihm ein scheuer und verängstigter Bursche namens „Karnickel“ geworden.

Klaus Kordon: Brüder wie Freunde. Verlag Belz & Gelberg. Neuausgabe 2013, ab 12.
Franks Mutter ist Besitzerin einer kleinen Berliner Kneipe. Franks Vater ist im Krieg gefallen. So fungiert Franks älterer Bruder als Ersatzvater für ihn. Als jedoch ein Unglück geschieht, muss er lernen alleine zurechtzukommen.

Paul Maar: Kartoffelkäferzeiten. Oetinger Verlag 1990, ab 10.
Für die 12jährige Johanna gehören Kartoffelkäferplagen und Kohlenknappheit zum Alltag nach dem zweiten Weltkrieg im Jahr 1948. Schlimmer findet sie die Auseinandersetzungen mit ihrer Großmutter, die ihr sogar den Kontakt zu einem Freund verbietet, weil sein Vater unbekannt ist.

Gina Mayer: Die verlorenen Schuhe. Stuttgart / Wien: Thienemann Verlag 2010, ab 13.
Der historische Jugendroman nimmt seine Leser mit auf die dramatische Flucht zweier sehr unterschiedlicher junger Mädchen von Schlesien nach Württemberg im Jahr 1945. Stichworte wie Krieg, Gräuel, Schuld, Flucht und Neubeginn bekommen hier, klug erzählt, ein individuelles Antlitz. (Ina Hochreuther in bulletin j & l 5/2010)

Weitere Bücher zum Thema Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

Wolfgang Borchert: Das Gesamtwerk. 1949. Rowohlt-Verlag Hamburg.
Eine Sammlung von Gedichten, Kurzgeschichten und dem Bühnenstück „Draußen vor der Tür“, welche die psychische Situation von jungen Menschen in der Nachkriegszeit beleuchtet.

Michael Brenner (Hg): Die Geschichte der Juden in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart. Politik, Kultur und Gesellschaft. München Beck 2012.
In diesem Buch schildert der Autor wie sich das jüdische Leben in Deutschland nach dem Holocaust bis heute entwickelt hat.

Friedrich Huneke: „Vorher war der 8. Mai 1945 ein bloßes Datum ...". Erinnerungskultur im Unterricht. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Jg. 57 (2006), H. 2, S. 115-132.

Sascha Lange: Meuten, Swings & Edelweißpiraten: Jugendkultur und Opposition im Nationalsozialismus. Ventil Verlag 2015.
Überfälle auf HJ-Heime, Flugblätter, Anti-Nazi-Graffitis oder selbstorganisierte Freizeiten jenseits der Hitler-Jugend - nicht alle Jugendliche wollten nach 1933 im Gleichschritt der neuen Machthaber mitmarschieren. Im vorliegenden Buch hat sich der Autor die vielen Facetten jugendlicher Verweigerung gegen das Nazi-Regime zusammengetragen, ist den Spuren der Swing-Jugendlichen, Edelweißpiraten und Weißen Rose in der Großstadt sowie in den Provinzen nachgegangen und hat ehemalige Mitglieder der jugendlichen Oppositions- und
Widerstandsgruppen zum Interview getroffen.

Hilke Lorenz: Kriegskinder, das Schicksal einer Generation, List 2003.
Sie waren noch Kinder, und die Schrecken des Krieges waren, ihr Alltag: Mit großem Einfühlungsvermögen schildert Hilke Lorenz das Aufwachsen inmitten von Flucht, Vertreibung, Bombennächten, Hunger und Tod. Ein wichtiges Buch zu einem Tabuthema, das eine ganze Generation und ihre Kinder und Kindeskinder prägte.

Hilke Lorenz: Weiterleben als sei nichts gewesen? Deutsche Schicksale zwischen Hakenkreuz und Bundesadler. Droemer 2005.
1945 schlug dem deutschen Volk die »Stunde Null«. Aber war es wirklich ein Neuanfang, den die Menschen nach den Traumata des Hitler-Regimes und des Krieges unternahmen? Ließ sich das in der Vergangenheit Erlebte wirklich abstreifen? Sie alle lebten nach 1945 weiter zusammen in einem Land: der ehemalige SSMann, der Jude, der die Naziherrschaft versteckt überlebte, die Kriegerwitwe ... Gemeinsam ist allen diesen Menschen nur eines: Deutschland ist ihre Heimat. Eine Heimat, in der nach dem Krieg auf ungeheuerliche Weise Lebenswelten aufeinander prallten. Die Menschen, Täter wie Opfer, die die Bundesrepublik aufbauten, waren weiterhin geprägt von ihrer Vergangenheit, ihren Erlebnissen, ihren Verletzungen. Und doch formte sich aus all diesen Erfahrungen eine neue deutsche Identität. Hilke Lorenz beleuchtet mit Einfühlsamkeit und professioneller Neugier die Lebensbrüche der Kriegsgeneration und kommt zu dem Ergebnis: Eine »Stunde Null« hat es nach dem Krieg in Deutschland nicht gegeben.

Hilke Lorenz: Heimat aus dem Koffer. Vom Leben nach Flucht und Vertreibung. Ullstein 2009.
Wann fühlt man sich in einer neuen Gegend zuhause? Wenn man Arbeit und Freunde gefunden hat? Oder wird so etwas wie Verwurzelung erst den eigenen Kindern und Enkeln wieder möglich sein? Lebensgeschichten, die von Flucht, Vertreibung und Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg handeln, erzählt Hilke Lorenz in ihrem neuen Buch »Heimat aus dem Koffer«. Man kann nur ahnen, wie groß der Rechercheaufwand war, wie viele Interviews und wie viel Fingerspitzengefühl notwendig waren, damit solch kompakte, fein psychologisch analysierte und spannend zu lesende Biografie-Skizzen entstehen. Die Stuttgarter Journalistin und Historikerin hat nicht nur die als Kinder und Jugendliche unmittelbar von der Emigration Betroffenen befragt, sondern auch
deren Nachkommen und so ein differenziertes Bild entworfen. Ein Kompendium ganz unterschiedlicher, sehr privater Erlebnisse der früher als »Rucksackdeutsche« Verunglimpften tut sich auf, das uns gleichzeitig tief in
die west-ost-europäische Zeitgeschichte eintauchen lässt. Das Buch würdigt die Integrationsleistung, die über die Jahre stattgefunden hat und zeigt gleichzeitig die Brüche im Leben derjenigen, die in den Folgen des Vernichtungsfeldzugs
der NS-Zeit alles hinter sich lassen mussten; Brüche, welche bis in die nächsten Generation als kleine Risse sichtbar bleiben. Ein kluges, berührendes und brillant geschriebenes Buch! (Ina Hochreuther in SuR 6, Okt./Nov. 2009)


Eric Silver: Sie waren stille Helden. Frauen und Männer, die Juden vor den Nazis retteten. Hanser Verlag. 1992.
Der Autor hat 40 wahre Geschichten von Männern und Frauen zusammen getragen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor den Nazis retteten. Darunter sind Prominente wie Oskar Schindler und Max Schmeling, aber auch Unbekannte.

Audiovisuelle Medien

Filme zum Thema Nationalsozialismus und Nachkriegszeit:

Bonhoeffer - Die letzte Stufe
Spielfilm von Eric Till, Deutschland / USA / Kanada 1999, 90 Min., FSK: o.A., empfohlen ab 14. Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVS041.
Deutschland kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs: Der Pastor Dietrich Bonhoeffer (Ulrich Tukur) sieht den offensichtlichen Kniefall der christlichen Kirche vor dem Nazi-Regime mit großer Sorge. Nachdem ein Treffen mit Anhängern der Bekennenden Kirche von der Gestapo gesprengt wird, darf er nicht mehr predigen und publizieren. Von den November-Pogromen, die seine schlimmsten Befürchtungen bestätigen, erfährt er in den USA. In Amerika in Sicherheit zu bleiben, erscheint ihm jedoch als Verrat an der christlichen Idee und so kehrt er in seine Heimat zurück. Sein Schwager Hans von Dohnanyi überzeugt ihn, als Kurier für die Widerstandsgruppe innerhalb der deutschen Spionageabwehr zu arbeiten. Das Ringen zwischen christlichen Idealen und
praktischer Notwendigkeit lässt Bonhoeffer zu der Erkenntnis kommen, dass es moralisch verwerflicher sei, böse zu sein, als Böses zu tun. Das erste misslungene Attentat auf Hitler führt zu einer Verhaftungswelle der
Gestapo, der auch Bonhoeffer zum Opfer fällt. Sein einziger Kontakt zur Außenwelt ist seine Verlobte Maria, die ihn im Gefängnis besuchen darf. Als der Gestapo nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler am 20.Juli 1944 geheime Dokumente der "Abwehr" in die Hände fallen, verstärken sich die Repressionen gegen Bonhoeffer. Maria unternimmt einen letzten verzweifelten Versuch, ihren Geliebten zu befreien. Doch der lehnt es ab zu fliehen. Bonhoeffer wird in das Konzentrationslager Flossenbürg verlegt. Von dort geht er seinen letzten Gang.

Elser
Spielfilm von Oliver Hirschbiegel. Deutschland 2014, 128 Min., FSK: 12, empfohlen ab 14. Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVS896.

Es haben nur ganze 13 Minuten gefehlt. Wenn am 8. November 1939 Hitler nicht seine Rede im Münchner Bürgerbräukeller etwas früher als geplant beendet hätte, dann wäre Johann Georg Elser wohl als einer der großen Helden des 20. Jahrhunderts in die Geschichtsbücher eingegangen. In emsiger Akribie hat der junge, schwäbische Schreiner über Monate den Bombenanschlag vorbereitet. Aber anstatt die Welt von Hitler zu befreien, schlägt sein Plan fehl und Elser wird verhaftet. Er wird gefoltert, gequält, am Ende hingerichtet. Die Erinnerung an seine große Liebe Elsa und sein Glaube gibt Elser die Kraft, auch im Angesicht des Todes als Einzelner Zivilcourage und Humanität zu bewahren.

Fateless - Roman eines Schicksallosen
Spielfilm Lajos Koltai, Ungarn / Deutschland / Großbritannien 2004, 134 Min., FSK: 12, empfohlen ab 14. Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVS338.
Braune Herbstblätter tanzen in den Budapester Straßen, als der vierzehnjährige György Köves (Marcell Nagy) zum Geschäft seines Vaters eilt. Er habe schulfrei aus familiären Gründen, erzählt er aus dem Off. Die Abwechslung ist ihm durchaus willkommen, wenn nur die Erwachsenen nicht alle so merkwürdig traurig-feierlich gestimmt wären. Das hat seinen Grund, denn wir befinden uns hier im Jahr 1944 und die Deportationen der ungarischen Juden durch die Nazis haben gerade begonnen. Györgys Vater muss am nächsten Tag den Weg in ein sogenanntes Arbeitslager antreten. Als der ihn nachts ein letztes Mal in den Arm nimmt und ihm das Versprechen abnimmt, sich um die Stiefmutter zu kümmern, kommen dem Jungen in einer Mischung aus Überraschung und Erschöpfung die Tränen. Aber er ahnt nicht im Entferntesten, dass er an einem Wendepunkt
seines Lebens angelangt ist. „Das wirkliche Problem Auschwitz besteht darin, dass es geschehen ist und dass wir an dieser Tatsache mit dem besten, aber auch mit dem schlechtesten Willen nichts ändern können.“ So Imre Kertész in seiner Rede zum Literaturnobelpreis 2002. Der Übersetzer und Romancier hat für den Film „Fateless“ das Drehbuch geschrieben, nach seinem Buch „Roman eines Schicksallosen“. Darin verarbeitete der ungarische Autor seine eigenen Erfahrungen in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald aus der Perspektive eines unwissenden, ja naiven Jungen. In einem gleichsam pervertierten Entwicklungsroman durchmisst dieser die Todeswelt der Vernichtungsmaschinerie, deren Logik er sich wie ein verständiger Schüler ergibt, um weiterleben zu können. So linear wie der Roman, ohne dramaturgische Finessen, erzählt auch der Spielfilm vom Ausgeliefertsein und Dahinvegetieren. Denn György, der anschließend sowieso nicht mehr die Schule besuchen darf, sondern in einer Fabrik am Stadtrand arbeiten muss, wird aus einem Bus gefischt, mit anderen Juden in ein Sammellager gebracht und von dort erst nach Auschwitz und kurz darauf weiter nach Buchenwald verfrachtet. Dort konzentriert sich der Regisseur Lajos Koltai auf die Grundthemen, was ein Mensch dem anderen antun oder - im Gegensatz dazu - einer dem anderen sein kann, und was Letzteres für das Überleben in solch einer Situation bedeutet. Zweimal wischt ein Mithäftling dem hilflosen Jungen, der den pseudomilitärischen Drill noch nicht erfasst hat, beim Appell im Lager gerade noch rechtzeitig die Mütze vom Kopf – ein kleiner solidarischer Akt. Seine Zuversicht, irgendwann wieder einmal durch die heimische Nefelejtsstraße in Budapest zu gehen, gibt auch György Kraft durchzuhalten, genauso wie die praktischen Ratschläge, beispielsweise sich immer zu waschen, um sich nicht aufzugeben. Koltai, der
seit fünfunddreißig Jahren als Kamermann arbeitet, unter anderem für István
Szabó (1988 „Oberst Redl“, 2001 „Der Fall Furtwängler“) hat in seinem Debütfilm gemeinsam mit dem Kameramann Gyula Pados eigene Bilder jenseits der bekannten Ikonografie für den Lageralltag gefunden. Da gibt es fast unerträglich lange Szenen, in denen sich die Häftlinge im wechselndem Tageslicht auf dem Appellplatz nach vorne und hinten wiegen, um nicht umzufallen vor Entkräftung. Immer wieder rückt im Laufe der Geschichte als Nahaufnahme das ausgemergelte
Gesicht des Jungen mit den umschatteten Augen in den Mittelpunkt. Der schrumpft allmählich zu einem kranken, hungernden und frierenden Bündel. Als sein Pritschennachbar in einer elenden Krankenbaracke stirbt, behält er das für sich, um für kurze Zeit wenigstens dessen Lebensmittelration zusätzlich zu ergattern. Der Film verzichtet auf Schockeffekte und kann das Grauen dennoch vermitteln. Alles ist sehr ruhig und verhalten gezeichnet. Nie tauchen brüllende, um sich schießende KZ-Schergen auf. Sie sind zwar als Gewalt im Hintergrund vorhanden, bekommen aber keine individuellen Gesichter. Die bleiben den geschundenen Häftlingen vorbehalten. Fast durchweg wenig bekannte Schauspieler wirkten an dieser ungarisch-deutschenglischen Koproduktion mit, was zur Authentizität beiträgt. Waren die Farben zu Beginn schon bräunlich,
sepiagetönt, so reduzieren sie sich im Lager noch in Grauabstufungen. Nach der Befreiung, während der Heimfahrt Györgys Richtung Budapest, sieht man einmal ein Ährenfeld im Wind – zartgrün - hoffnungsfarben. So düster die Erinnerungen sind, so weit weg aus einer anderen Zeit, aus einem anderen Leben – spiegeln sie sich im Film wieder. „Schicksallos“ meint für Kertész, in einer Diktatur dazu gezwungen zu sein, ein Leben zu leben, das nicht das eigene gewesen ist, um hinterher zu erfahren, dass es dafür bereits fertige Begriffe wie „Opfer“ oder „Verfolgter“ gibt, die einem das individuelle Schicksal zum zweiten Mal nehmen. Vielleicht beharrt der entwurzelte Halbwüchsige am Ende vom Buch wie vom Film deshalb darauf, dass es zwischen den Qualen auch etwas gab, das dem Glück ähnelte. (Ina Hochreuther in Stuttgarter Zeitung, 02.06.2005)

Krücke
Spielfilm von Jörg Grünler, Deutschland 1992, 98 Min., FSK: 12; empfohlen ab 12. Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVS028.
Nach dem Roman von Peter Härtling. - Februar 1945. Die letzten Kriegswirren bereiten überall ein lebensgefährliches Chaos. An einem kleinen schlesischen Bahnhof verliert der 13jährige Tom seine Mutter und ist plötzlich allein. Im zerstörten Wien findet er den einbeinigen Kriegskrüppel "Krücke", einen kleinen Schieber und Überlebenskünstler, dem er sich an die Fersen heftet. Anfangs will Krücke jedoch gar nichts von Tom wissen. Erst allmählich entwickelt sich eine Beziehung und später eine innige Freundschaft. So erleben sie hautnah, was der Krieg hinterlassen hat und aus Menschen gemacht hat. Unterschlupf finden sie eine Zeitlang bei Bronka, einer Jüdin, die das Naziregime überlebte und in einem Amüsierlokal Alliierten und Schiebern verdünntes Bier serviert. Schließlich gelangen Tom und Krücke nach einer langen, abenteuerlichen Zugfahrt nach Deutschland. In Passau findet Tom seine Mutter wieder - und verliert seinen Freund.

Max Mannheimer - Der Mann, der gegen das Vergessen erzählt
Dokumentarfilm von Thomas Hausner, Deutschland 2010, 98 Min., empfohlen ab 10. Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart.
Aus der Reihe "Willis VIPS". Willi unternimmt einen Sprung in die Zeit des Nationalsozialismus. Es geht um die Ermordung und Verfolgung der Juden. Einer, der überlebt hat, ist Max Mannheimer. Der Reporter trifft den alten Herrn in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Hier wurde Max Mannheimer als junger Mann gefangen gehalten. Gerne ist er bereit, Willi von seinen schrecklichen Erlebnissen aus dieser Zeit zu erzählen. Willi erfährt: Dort wurden die Menschen zu extrem harter Arbeit gezwungen, bekamen zu wenig zu essen, hausten in engen,
unbeheizten Baracken, wurden gequält und geschlagen, und schließlich getötet. Max Mannheimer war in mehreren dieser Lager. Auch in Auschwitz, einem sogenannten Todeslager. Fünf Mitglieder seiner Familie starben dort. Max Mannheimer überlebte. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, befreiten amerikanische Soldaten die Inhaftierten im Konzentrationslager Dachau. Dort war Max gerade hintransportiert worden. Er war gerettet. Heute hat Max Mannheimer, der in München wohnt, sein Leben in den Dienst der Erinnerung gestellt. Er weiß, dass immer noch viele Menschen Adolf Hitler bewundern und sich wünschen, dass Deutschland einen neuen Führer erhält. Das will Max verhindern, und deshalb berichtet er so oft wie möglich seine Lebensgeschichte.
Web-DVD mit Begleitmaterialien im ROM-Teil.

Sendung mit der Maus: Nachkriegsmaus
Magazin von Armin Maiwald, Deutschland 1995, 25 Min., FSK: o.A., empfohlen ab 6. Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVK675.
Was zieht man an, wenn es eigentlich keine Kleidung gibt? Was ißt man, wenn es kaum Lebensmittel gibt? Wo wohnt man, wenn fast alle Häuser zerstört sind? Anhand des alltäglichen Lebens vermittelt diese monothematische "Sendung mit der Maus", wie Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg gelebt haben.

Sophie Scholl - Die letzten Tage
Spielfilm von Marc Rothemund, Deutschland 2005, 116 Min., FSK: 12; empfohlen ab 12. Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVS276.
Februar 1943: Bei einer Flugblatt-Aktion der studentischen Widerstandsgruppe "Die weiße Rose" gegen die Nazi-Diktatur wird die junge Studentin Sophie Scholl (Julia Jentsch) zusammen mit ihrem Bruder Hans in der Münchner Universität verhaftet. Die tagelangen Verhöre bei der Gestapo entwickeln sich zu einem Psycho-Duell zwischen der jungen Frau und dem Gestapobeamten Robert Mohr. Sophie kämpft zunächst um ihre Freiheit und um die ihres Bruders, stellt sich schließlich durch ihr Geständnis schützend vor die anderen Mitglieder der "Weißen Rose" und schwört ihren Überzeugungen auch dann nicht ab, als sie dadurch ihr Leben retten könnte. In einem Schnellverfahren verurteilt der Präsident des Volksgerichtshofs Roland Freisler (Andre Hennicke) sie zusammen mit ihrem Mitstreiter Christoph Probst zum Tod. - Der Regisseur Marc Rothemund konzentriert sich in seinem einfühlsamen Porträt auf die letzten 6 Lebenstage der Widerstandskämpferin, er stützte sich dabei auf die bis 1989 in einem DDR-Archiv weggeschlossenen Original-Verhörprotokolle der
Gestapo.

Das Tagebuch der Anne Frank
Spielfilm von Gareth Davies, Großbritannien 1987, 95 Min., FSK: 6; empfohlen ab 12. Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVS028.
Von Juli 1942 bis August 1944 versteckt sich eine Gruppe holländischer Juden vor der Verfolgung durch die Nazis auf dem Dachboden eines Amsterdamer Geschäftshauses - zwei Familien und ein einzelner Mann. Von Freunden unter schwierigsten Bedingungen heimlich mit dem Notdürftigsten versorgt, leben sie auf engstem Raum miteinander. Tagsüber dürfen sie keinerlei Geräusch verursachen, erst spät, wenn die Außenwelt Feierabend macht, beginnt für sie der kommunikativere Teil des Tages. Die 13-jährige Anne Frank erlebt die Angst der Verfolgten, ihre verzweifelte Hoffnung auf das Kriegsende, ihre Schwächen und Streitigkeiten, aber auch ihre Zähigkeit und Solidarität. Lebensfroh und viel impulsiver als ihre ältere Schwester leidet sie besonders unter dem gewaltsamen Abgesperrtsein. Das Tagebuch, das sie in fröhlicheren Zeiten von ihrem Vater
geschenkt bekommen hat, ist engste Vertraute - sie schreibt einer imaginären "Kitty" - ihre Nöte und Sehnsüchte. Eine erste scheue Liebesahnung erlebt sie mit Peter, dem halbwüchsigen Sohn der anderen Familie. Da bewirkt die Denunziation eines Polizisten, der mit seinem Kollegen einem Einbruch nachgeht, die Festnahme durch die Gestapo. Nur ihr Vater überlebt das KZ.

4 Tage im Mai
Spielfilm von Achim von Borries, Deutschland / Russland / Ukraine 2011, 93 Min., FSK: 12; empfohlen ab 14. Ausleihbar z.B. im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart unter DVS739.
4. Mai 1945: Deutschland hat den Krieg verloren. Allerdings war davon bisher an der einsamen Ostseeküste nicht viel zu spüren gewesen. Erst jetzt marschiert die Rote Armee ein. Ein ehemaliger Gutshof, der zum Mädchenheim umfunktioniert wurde, dient einem sowjetischen Hauptmann und seinen sieben Männern als Stützpunkt. Die Soldaten sind alles andere als siegessicher. Sie haben kaum Munition, können auf keine Verstärkung hoffen und sollen dennoch die Küste bewachen und deutsche Soldaten gefangen nehmen. Tatsächlich
taucht bald ein deutscher Trupp mit einem Oberstleutnant auf. Die Männer sind jedoch ebenso kriegsmüde wie ihre russischen Gegner und warten nur auf die Gelegenheit, sich nach Dänemark abzusetzen. Lediglich Peter will noch kämpfen – ein elfjähriger Junge, dessen Tante das Heim leitet. Er will seinen Vater rächen,
der im Krieg fiel, und ein Mädchen beschützen, das er auf dem Heuboden versteckt. Aber Peter muss erkennen, dass die Grenzen zwischen Freund und Feind in diesen letzten Kriegstagen nicht mehr eindeutig zu ziehen sind – und dass ausgerechnet der russische Hauptmann sich als Menschenfreund entpuppt, der ihn respektvoll behandelt.

Internetlinks (Stand Juli 2016)

http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/michael-brenner-sendung-100.html
Ein sehr guter Beitrag von Professor Michael Brenner, Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Thema „Geschichte der Juden in Deutschland vor, im und nach dem zweiten Weltkrieg“.

http://www.zeitklicks.de/nationalsozialismus/zeitklicks/zeit/verfolgung/widerstand/wer-leistet-widerstand/
Knappe Zusammenfassungen zu Stichworten wie „Widerstand“.

http://www.bpb.de/izpb/10371/zustimmung-und-widerstand-im-nationalsozialismus
Ein Heft der Bundeszentrale für Politische Bildung über den Deutschen Widerstand 1933 – 1945.

http://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/nachkriegszeit/index.html
Gelungene Zusammenfassung der Nachkriegszeit mit weiterführenden Links.

http://www.bpb.de/izpb/10040/deutschland-1945-1949
Zahlreiche Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung zu „Deutschland 1945 - 1949.

http://www.br.de/radio/bayern2/wissen/radiowissen/geschichte/truemmerfrauen-nachkriegszeit-104.html
Radiobeiträge über den „Mythos Trümmerfrauen“ mit Bildern und Texten.

http://www.praxisgeschichte.de/heft/62050200
„Praxis Geschichte“, Heft 2, März 2005 zum Herunterladen: „Das Jahr 1945 erinnert an das Ende des Zweiten Weltkriegs und vor allem an die Befreiung vom Nationalsozialismus. In globaler Perspektive markiert das Epochenjahr eine zentrale Zäsur: das Ende der alten europäischen Ordnung, den Beginn des Kalten Krieges und den Einsatz der Atombombe. Zum sechzigsten Jahrestag
des Kriegsendes eröffnen die Beiträge dieser Praxis Geschichte-Ausgabe Erfahrungshintergründe und Deutungsperspektiven, bieten einen problemorientierten globalen Zugriff und fragen nach der Gegenwartsbedeutung
der Epochenwende.“ Hier zwei Links zu Zeitzeugeninterviews-Datenbanken, die sich z.B. zu Recherche-Aufträgen für Schüler/innen eignen: Wie haben die Menschen in eurer Stadt oder Gegend das Kriegsende erinnert?

http://www.lehrer-online.de/kriegsende-1945.php
Unterrichtseinheit „Spurensuche Kriegsende / Regionalgeschichte“

http://www.zeitzeugengeschichte.de/topic.php?clipId=184
Audio- und Video-Zeitzeugeninterviews aus verschiedenen Orten und Gegenden.

http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/geschichte/unterricht/methzugaenge/zeitzeugen/
Quellenkritische Überlegungen zu Zeitzeugenaussagen und -interviews.

https://www.dhm.de/lemo/lernen/dhm
Lehrmaterialien des Deutschen Historischen Museums (DHM) und der Stiftung Haus der Geschichte u.a. zum Thema Nationalsozialismus und Nachkriegszeit. Hier finden sich auch Zeitzeugenberichte sowie Abbildungen aus dem Bestand.

https://www.hdg.de/lemo/kapitel/nachkriegsjahre
Informationen zu den Nachkriegsjahren im Kapitel „Zeitstrahl“.

Jörn Precht, 1967 geboren, unterrichtet seit 2012 an der Hochschule der Medien in Stuttgart Transmediales Storytelling, Dramaturgie und Stoffentwicklung für AV- und Online-Medien. Er verfasste das Drehbuch zu
„WAR IS OVER, HONEY“, das die junge Filmfirma Nordstern Produktion verfilmte. Nach einem Magisterstudium der Germanistik und Anglistik an der Universität Stuttgart sowie einem Diplomstudium Drehbuch an der Filmakademie Baden-Württemberg erhielt er 2000 den Sat.1 Talents Award für das beste Sitcom-Konzept, schrieb preisgekrönte Kurzfilme und wirkte 2004 mit am Buch für die Kinokomödie „Abgefahren“. Sein Stoff „Der Mann, der Europa erfand“ wurde 2009 für den Deutschen Drehbuchpreis vorgeschlagen. Precht ist seit 2008 Hörspielautor des Verlages Klett Sprachen und schreibt für die ZDF-Serie „SOKO Stuttgart“.

Junus Baker studierte zwischen 2012 und 2015 am SAE Institute Stuttgart Digital Film und VFX. Bei „WAR IS OVER, HONEY“ führte er Regie. Der Kurzfilm entstand im Rahmen seines Bachelor Abschlusses. Er verfügt auch über Theaterregie-Erfahrungen, etwa beim Staatstheater Stuttgart, wo er 2015 eine Regiehospitanz und eine Assistenz beim Schauspiel Nord machte.

Lukas Hoffmann betreibt die Nordstern Filmproduktion in Freiberg am Neckar und ist im Kontext unterschiedlicher kleiner dokumentarischer Beiträge oft in fernen Ländern unterwegs. Bei „WAR IS OVER, HONEY“ machte er die Kamera und die Produktion.

Sabine Kögel-Popp, geb. 1962 in Erlangen, verheiratet, zwei Kinder, ist Diplom-Pädagogin. Sie studierte an der Universität Bamberg Pädagogik, Psychologie und Evangelische Theologie / Religionspädagogik. Von 1988 bis 1995 arbeitete sie als Medienpädagogin mit dem Schwerpunkt „Kinder und Medien“ am Religionspädagogischen Zentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Danach leitete sie ein Jahr lang die Evangelische Medienzentrale in Bayern. Nach den Erziehungsurlauben war sie bis 2007 als medienpädagogische Referentin der Evangelischen Medienzentrale in Bayern tätig. Seit 2008 arbeitet sie als selbstständige Medienpädagogin und Autorin. Von der Autorin erschienen in dieser Edition bereits die Titel „Von Advent bis Weihnachten“, „Leben und Feiern im Kirchenjahr“, „Ente, Tod und Tulpe“, „Willi will’s wissen – Wie kommen Babys auf die Welt?“, „Der verlorenen Otto“, „Frankie Unsichtbar“ sowie „Sterne, Engel, Hirten und ein Stall - Weihnachtstrickfilme aus dem TV-Magazin "Hallo Benjamin!" . Sabine Kögel-Popp lebt mit ihrer Familie in München.

Preise

War is over, honey - Ein Kurzspielfilm zu den Nachkriegswirren 1945/46

DVD War is over, honey

44,90 EUR
Mit Recht zur öffentl. Aufführung

22,50 EUR
Rabattpreis für kirchliche Einrichtungen in Württemberg

159,00  EUR
Mit Recht zum Verleih und zur öffentl. Aufführung
Für kirchliche Einrichtungen aus Württemberg 35% Rabatt.

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