Das tanzende Gebet – Sufismus als spirituell-mystische Tradition des Islam

Das tanzende Gebet – Sufismus als spirituell-mystische Tradition des Islam

Die tanzenden Derwische des Sufismus üben eine gewisse Faszination auf die westlich geprägte Welt aus. Gleichzeitig wissen wir gar nicht so viel über diese mystische Dimension des Islam. Die türkische Filmemacherin Nefin Dinç, die in den USA studiert hat, kehrt mit „Das tanzende Gebet“ in ihre Heimat zurück. Fast ein Jahr lang begleitete sie die zwölfjährige Elif beim Üben des rituellen Dreh-Tanzes. Dabei lernen wir als Zuschauer die sufistische Mevlevi-Gemeinschaft in Istanbul kennen, die sich auf die spirituellen Vorstellungen des historischen Jalaluddin Rumi aus Konya - im Türkischen Mevlana - genannt, beruft. Elif besucht Treffen in ihrem religiösen Gemeindezentrum, lauscht den Worten des „Scheichs“ oder „Meisters“, schaut fortgeschrittenen Tänzern zu und erklärt uns die Farbsymbolik von deren Gewändern. Auch wenn andere Lernende zu Wort kommen, etwa eine israelische Jüdin, bleibt die Perspektive eng bei dem sympathischen Mädchen. Angesichts manch negativer Schlagzeilen, die vereinzelte islamische Strömungen aktuell produzieren, macht diese poetische, undogmatische und tolerante Form des islamischen Glaubens Hoffnung auf ein gutes, friedliches Miteinander der Religionen.

Vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg für den Unterricht empfohlen

Begleitendes Material (Auswahl)

Infos zur DVD
Inhaltsübersicht, Gliederung der DVD

Bezug zum Bildungsplan
Bildungsstandards in Baden-Württemberg

Sufismus - was ist das?
Infoblatt M03

Fragen zum Sema-Tanz
Arbeitsblatt M07

Vergleich: christlicher Gottesdienst und sufistisches Mevlevi-Ritual
Arbeitsblatt 11a

Medientipps

Von Dr. Armin Münch

Literatur

Al Habib, André: Sufismus. Das mystische Herz des Islam. Eine Einführung. Frankfurt (H.-J. Maurer) 2005.

Boldt, Johannes: Gotttrunkene Poeten. Juan de la Cruz und die Sufi-Mystik. Münster (LIT) 2013.

Citlak, Fatih M.; Bingül, Hüseyin: Rumi und sein Sufipfad der Liebe, Offenbach (Fontäne) 2008.

Frembgen, Jürgen Wasim: Reise zu Gott. Sufis und Derwische im Islam. München (Beck) 2000.

Inayat Khan, Pir Vilayat: Der Ruf des Derwisch. Essen (Synthesis) 1982.

Rumi: Sei Sonne, sonst bleibst du Fledermaus. Ausgewählte Texte. Hrsg. v. Ulrich Holbein. Wiesbaden (marix) 2013.

Schimmel, Annemarie: Mystische Dimensionen des Islam. Die Geschichte des Sufismus. München (Diederichs) 1992.

Schimmel, Annemarie: Al-Halladsch – „O Leute, rettet mich vor Gott“. Texte islamischer Mystik. Freiburg (Herder) 1995.

Schimmel, Annemarie: Ich bin Wind und du bist Feuer. Leben und Werk des großen Mystikers (Rumi). München (Diederichs) 2003.

Schimmel, Annemarie: Sufismus: Eine Einführung in die islamische Mystik. München (Beck) 2014.

Schweizer, Gerhard: „Mein Herz ist offen für jede Form“. Eine Reise in die Mystik der Sufis und Derwische. Freiburg (Herder) 2014.

Schweizer, Gerhard: Der unbekannte Islam. Sufismus – die religiöse Herausforderung. Stuttgart (Klett-Cotta) 2007.

Shah, Idries: Die drei Wahrheiten. Weisheitsgeschichten der Sufis. Freiburg (Herder) 2007.

Steff, Steffan: Sufi-Praxis. Braunschweig (Aurum) 1992.

Wosien, Maria-Gabriele: Die Sufis und das Gebet in Bewegung. Dietikon (Metanoia) 2006.

Audiovisuelle Medien

Rumi. Poesie des Islam
Dokumentarfilm von Houchang Allahyari, 2009, 87 Min., FSK: o.A.
„Mit seinem im gleichen Metier tätigen Sohn Tom-Dariusch Allahyari drehte der persische Filmemacher Houchang Allahyari ("Geboren in Absurdistan") diese Hommage an Dschalal ad-Din Rumi. Gut gelungen ist dem Werk über den Begründer des Sufi-Ordens der Mevlevi – ein wunderbarer Dichter und weit vorstoßender religiöser Mystiker – eine zweifache Perspektive. Sowohl die der Logik und verstandesmäßigen Fassbarkeit als auch die der übergeordneten, übergreifenden mystischen Wahrheit.“ Video.de

Bab’Aziz – Der Tanz des Windes
Spielfilm von Nacer Khemir, 95 Min., 2008, FSK: 12
„’Großvater, wenn du sprichst, ist es weniger kalt’, sagt das Mädchen Ishtar. Dabei kuschelt es sich in der Dunkelheit an den weißbärtigen, blinden Bab' Aziz mitten in einer unendlich erscheinenden Wüstenlandschaft. Der berichtet derweil von einem Prinzen, der im Wasser das Bild seiner Seele schaute. Schon hier wird deutlich, worum es geht, nämlich um das Erzählen von Geschichten, die Nähe und Wärme vermitteln und günstigstenfalls etwas zum Besseren hin verändern. Der in Paris lebende, fast siebzigjährige tunesische Regisseur
Nacer Khemir reist selbst immer wieder als traditioneller Geschichtenerzähler durchs Maghreb. In seinem vierten Kinofilm mit dem Titel ‚Bab’ Aziz – der Tanz des Windes’ entfaltet er einen träumerisch-märchenhaft anmutenden Reigen. Der alte Mann und seine Enkelin sind unterwegs zu einem geheimnisvollen, nur alle dreißig Jahre stattfindenden Derwisch-Treffen. Dessen genauer Ort offenbart sich nur denjenigen, die auf ihre innere Stimme hören können. Auf ihrem Marsch durch die Wüste begegnen die beiden weiteren Suchenden,
die ihnen aus ihrem Leben erzählen. Osman sprang aus Sehnsucht nach seiner verschwundenen Geliebten in einen Brunnen. Zaïd hat mit seinem Gesang eine Frau betört und wieder verloren. Es sind Geschichten wie aus ‚Tausend und einer Nacht’, von denen manche zusammen gehen und gar eine Fortsetzung finden, andere im Wind verfliegen. Die Figuren kommen zum Großteil in traditionellen Gewändern daher, gelegentlich trägt jemand Jeans oder eine Schirmmütze. Eine gewisse Zeitlosigkeit oder Allgemeingültigkeit auch in unserer mythenentleerten Welt soll damit erreicht werden. Letztendlich aber sind es die fantastischen Landschaftsaufnahmen von Mahmod Kalari, die so etwas wie Zauber transportieren. Nacer Khemir will einem westlichen Publikum die friedliche Botschaft der Sufisten vermitteln: ‚Es gibt soviel Wege zu Gott, wie es Seelen gibt auf Erden’ lautet das Motto des Films. Die kommt durchaus an und wir dürfen uns dabei unangestrengt an Poesie und schönen Bildern erfreuen.“ Ina Hochreuther, Stuttgarter Zeitung, 28.02.2008

Internetlinks (Stand Dezember 2014)

http://de.wikipedia.org/wiki/Sufismus
Wikipedia-Artikel zum Stichwort „Sufismus“.

http://www.mevlana-ev.de
Homepage der Internationalen Mevlana-Stiftung bzw. Mevlana-ev in Nürnberg.

http://www.emav.org
Homepage der „Foundation of Universal Lovers of Mevlana Jelaluddin Rumi“, wörtlich: „Universale Gemeinde für Liebende von Mevlana“ (EMAV).

http://www.sufismus.de
Webseite mit Texten zum Sufismus in Deutsch und Türkisch.

Die Filmemacherin

Nefin Dinç Dinc studierte Wirtschaft an der politikwissenschaftlichen Fakultät der Universität von Ankara. Einen Master-Abschluss machte sie an der Strathclyde Universität in Schottland und erwarb außerdem den akademischen Grad Magistra Artium (M.A.) in Dokumentarfilm an der North Texas Universität in den USA.
Von 2005 bis 2013 arbeitete sie als Dozentin an der State University von New York Fredonia. Zeitweilig leitete sie ein vom US-State-Department gefördertes Projekt für junge Filmemacher in der Türkei und unterrichtete türkische Studenten darin, Kurzfilme zu machen. Bis jetzt hat Nefin Dinç fünf Dokumentarfilme produziert. Ihr jüngstes Werk heißt „The Other Town“, in dem es um griechisch-türkische Beziehungen geht. Aktuell produziert sie einen Film über türkische Jugendliche und Menschenrechte in der Türkei.

Filmografie:
Republic Train, 2000
Rebetiko: The Song of Two Cities, 2004
I Named Her Angel (Das tanzende Gebet), 2005
Violette Verdy: The Artist Teacher, 2007
The Other Town, 2011


Die Performance-Künstlerin

Ninel Çam hat unseren Film „Das tanzende Gebet“ deutsch eingesprochen. Die Choreographin und Performance- Künstlerin studierte Architektur in Istanbul, Stuttgart und Nancy. Parallel dazu wirkte sie bei diversen Tanzprojekten mit. Ihre Diplomarbeit an der Universität Stuttgart fand in Form der Tanz-Performance „Gedichte eines Körpers im Raum“ ihren Abschluss. Ihre Promotionsarbeit „Thinking with the Moving Body – Dancing Dialectics“ an der Aalto Universität in Helsinki befasst sich mit choreographischen Produktionen als Ort für einen kollektiven „Flow“ und den Voraussetzungen dafür. Ninel Çam ist Dozentin für Tanz-Improvisation am Produktionszentrum für Tanz und Performance Stuttgart. Sie tritt mit abendfüllenden Choreographien sowie
konzeptionellen Performances, aber auch als Sängerin unterschiedlicher Musikprojekte, etwa mit der Band Kent Masali („Märchen der Stadt“), in der baden-württembergischen Kulturszene auf. Mehr zu ihren Projekten
findet sich unter www.ninel.de und auf ihrem Blog ninelcam.blogspot.de.

 

Der Autor der didaktischen Materialien

Dr. Armin Münch, 1955 in Balingen, am Rand der Schwäbischen Alb geboren, ist Pfarrer der Württembergischen Landeskirche, verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Schwäbisch Hall. Das Studium der Evangelischen Theologie führte ihn nach Tübingen, Berlin und Marburg. In verschiedenen Gemeinden Württembergs war er im Pfarrdienst tätig. 1998 erfolgte in Heidelberg seine Promotion über den christlich-buddhistischen Dialog.2009 wechselte Armin Münch in den Schuldienst und unterrichtet seitdem u.a. an der Kaufmännischen Berufsschule Künzelsau Religion. Er ist Vorstandsmitglied im Verein „Gesellschaft der Freunde der christlichen Mystik“ und in der „Fachgemeinschaft evangelischer Religionslehrerinnen und Religionslehrer in Württemberg“.

Preise

Das tanzende Gebet – Sufismus als spirituell-mystische Tradition des Islam

Das tanzende Gebet – Sufismus als spirituell-mystische Tradition des Islam

69,00 EUR
Mit Recht zur öffentl. Aufführung

29,80 EUR
Rabattpreis für kirchliche Einrichtungen in Württemberg

229,00  EUR
Mit Recht zum Verleih und zur öffentl. Aufführung
Für kirchliche Einrichtungen aus Württemberg 35% Rabatt.

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