Wer war das Volk? - Willi und der Mauerfall

Wer war das Volk? - Willi und der Mauerfall

Dokumentarfilm von Arne Sinnwell aus der Reihe „Willis VIPs“Deutschland 2005 – 25 Min. – Farbe – FSK: Lehrmittelfreigabe. Empfohlen ab 8 Jahren Produktion: megaherz film und fernsehen in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk 

Einst gab es zwei deutsche Staaten. Eine schmerzliche Situation, die aus damaliger Sicht unveränderbar wirkte. Für Kinder von heute allerdings ist das längst Geschichte. Schlichter Schulstoff, der im Unterricht behandelt wird. Reporter Willi Weitzel hat sich in Leipzig umgesehen - dort, wo alles begann. Er trifft einen Fernsehjournalisten, der im Herbst 1989 die sogenannten Montagsdemonstrationen heimlich filmte und das Material nach Westdeutschland schmuggelte.

Auf diesem Weg verbreitete sich die Nachricht, dass sich immer mehr Menschen unter dem Motto "Wir sind das Volk" zusammentaten, um friedlich zu protestieren. 

Die Initiative ging von einer sich allmählich vergrößernden Gruppe aus, die sich schon seit einigen Jahren in der Leipziger Nikolaikirche traf. Davon berichtet der Pfarrer eben dieser Kirche, der damals schon hier predigte.

Schnörkellos zeigt der Film, wie es zum Mauerfall kam. Außerdem wird deutlich, wie sich DDR und BRD in Staats- und Wirtschaftsform unterschieden.

Vor allem aber wird sichtbar was passiert, wenn Menschen mutig und engagiert zusammenhalten: Sie können unglaublich viel verändern! 

Die DVD enthält sehr umfangreiches Begleitmaterial: Weitere Filmausschnitte, Hörstücke, Erkläranimationen, Bilder und Bildergeschichten, Lieder, Unterrichtsentwürfe und Materialien zum Lesen, Arbeiten und Ausdrucken.

Vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg für den Unterricht empfohlen

Video

Begleitendes Material (Auswahl)

Infos zur DVD [PDF, 36 KB]
Inhaltsangabe, Gliederung, Struktur

Einleitung [PDF, 32 KB]
Ziele, Kompetenzen, Didaktische Bausteine, Arbeitsaufträge und Impulse zum Einsatz der DVD

Unterrichtsbaustein [PDF, 45 KB]
"Die Montagsdemos"

Liedtext [PDF, 22 KB]
"Verlorne Kinder" von Rüdiger Barton und Tamara Danz, 1989

Vier Bürgerrechtler [PDF, 20 KB]
sprechen über die Magie von 1989 (Artikel aus DIE ZEIT vom 7.5.09)

Kommentierte Medientipps und Internetlinks

Von Ina Hochreuther

Literatur:

DDR

Thomas Bickelhaupt u.a.: Fernes nahes Land1949-1990.
C. J., Verlag GmbH 2009.
Von Kinderkrippen, Kleingärtnern und Kolchosen, vom Familienleben und von Freundschaften, von Partei und Opposition, von Religion, Meinungsfreiheit und Zensur. Klug und umsichtig erzählen die Autoren vom Leben im Schatten der Mauer, öffnen private und offizielle Fotoarchive, zeigen Urkunden, Wimpel, Bilder- und Schulbücher und erklären das Phänomen „Ostalgie“. Mit vielen Daten und Fakten. Ein reich bebilderter und unsentimentaler Band über die Licht- und die Schattenseiten des Alltags in der DDR.

Michael Boehlke, Henryk Gericke (Hg.): Too Much Future – Punk in der DDR. Verbrecherverlag 2007.
In zahlreichen Texten und Bildern wird in diesem Katalog die Geschichte des Punk-Undergrounds im Osten erzählt. Von den Anfängen im kirchlichen Umfeld bis zu den Tagen der Staatsrepression.
Die erste Auflage des Katalogs »too much future – Punk in der DDR« erschien 2005 anlässlich der Aufsehen erregenden Ausstellung »too much future« in Berlin und war innerhalb weniger Tage vergriffen. Jetzt gibt es eine neue überarbeitete und erweiterte Auflage geben, sie ist zweisprachig in Deutsch und Englisch. Schwerpunkte sind die Szene in Ostberlin und in Leipzig, doch auch der Punk außerhalb dieser Zentren, also etwa aus Dresden, Erfurt und Weimar, wird einbezogen. Alle Autoren des Bandes, u.a. Bodo Mrozek, Bert Papenfuß und Cornelia Schleime waren der Szene direkt oder indirekt verbunden. Die Texte behandeln die Anfänge der Punkbewegung, die seltsame Konstellation von Punk und Kirche in der DDR, die Repressionsgeschichte durch die Verfolgung seitens der Staatssicherheit sowie die Wirkung, welche Punk auf den Kunst-Underground bzw. Hintergrund ausübte. Die Texte und Fotos werden zusammengehalten durch ein gewagtes Layout, das den Begriff der Punk-Bewegung aufgreift. Die Texte werden auch mal aus dem Blocksatz gerissen, kippen, rotieren, überlagern sich oder werden von Balken und Schwarzflächen wie in einen Schraubstock gespannt. Damit wird eine tradierte Punkästhetik zitiert, sie ist jedoch angereichert durch Anleihen beim Scherenschnitt, Tapecover Art, Korrekturfahnen, Samisdat-Typografie und einem offensichtlichen Faible für eine Ausschussästhetik. Eine Gratwanderung zwischen Experiment und Konsumierbarkeit – Postpunk eben. Der Katalog ist üppig bebildert mit Fotos und Reproduktionen von Dokumenten, Flyern, Grafiken und natürlich den Protagonisten der Szene. Teil des Katalogs ist zudem ein Bandregister, das beinahe 100 DDR -Punkbands mit ihren jeweiligen Line-Ups und ihrer Herkunft aufführt.

Thomas Brasch: Vor den Vätern sterben die Söhne.
Suhrkamp, Aufl. 2002.
Der SED-Funktionärssohn Thomas Brasch lässt eine Generation zu Wort kommen, die den Sozialismus nicht als Alternative zum Faschismus oder Kapitalismus betrachtet, sondern als Einschränkung der persönlichen Freiheit.

Hans-Otto Bräutigam: Ständige Vertretung. Meine Jahre in Ost-Berlin. Hoffmann und Campe 2009.
Von 1974 bis 1977 als Leiter der politischen Abteilung, in den achtziger Jahren als Staatssekretär war Hans Otto Bräutigam in der Ständigen Vertretung in Ost-Berlin tätig. Im Mittelpunkt seiner Memoiren stehen persönliche Erlebnisse, Begegnungen und Beobachtungen – Geschichten, an denen Geschichte lebendig wird: von den Anfängen der Ständigen Vertretung über die Vertreibung Reiner Kunzes aus der DDR und die Biermann-Krise bis hin zu den zuweilen schwierigen Verhandlungen mit der eigenen Regierung. Bräutigam liefert ein eindringliches Zeugnis vom zähen Ringen um das deutsch-deutsche Verhältnis, gewürzt mit der einen oder anderen Anekdote.20 Jahre nach der Wiedervereinigung legt der langjährige Leiter der Ständigen Vertretung seine Memoiren vor. Fast sein ganzes Berufsleben stand im Zeichen der deutschen Teilung. Höhepunkt der Laufbahn Hans Otto Bräutigams war die Leitung der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, die er von 1982 bis 1989 innehatte. Seine sehr persönlichen Erinnerungen spiegeln ein schwieriges Kapitel deutscher Zeitgeschichte.

Rolf Hosfeld: Was war die DDR? Die Geschichte eines anderen Deutschlands. Kiepenheuer & Witsch 2008.
Es war einmal ein zweiter deutscher Staat, der vor zwanzig Jahren in seine finale Krise geriet. Dann fiel die Mauer über Nacht, doch die plötzliche Freiheit hinterließ gespaltene Erinnerungen. Zeit für eine Bestandsaufnahme. Was im Herbst 1989 zu Ende ging, begann für viele als heroischer Aufbruch in irritierten Zeiten. Doch der hatte seine eigenen Irritationen. Johannes R. Becher verfolgte schon in den Anfangsjahren der Albtraum eines Turms von Babel, der plötzlich im Sturz zu nichts zerfällt. Franz Fühmann beklagte die Verführung des DDR-Antifaschismus zu ausgelöschtem Willen, zu freiwilliger Unterwerfung unter die Diktatur. Die DDR war nur als ein gewaltsamer Traumtanz möglich. Eigentlich war sie ein "unmögliches Projekt", ein Aufstand gegen die Wirklichkeit, eine politische Fiktion. Kaum war Stalin gestorben, erhielt sie am 17. Juni 1953 ihren ersten Todesstoß. Der Rest waren Reparaturarbeiten, bis zum Schluss. Walter Ulbricht musste eine Mauer bauen, um seine sozialistische Mustermesse zu retten. Doch ausgerechnet er, der in den ersten Jahren erheblich zu einem Klima der permanenten Säuberung, der Verfolgung politisch Andersdenkender und der anhaltenden Krise beigetragen hatte, war im Alter zu bemerkenswert realistischen Einsichten fähig. Glaubte er noch an die Zukunft seiner Utopie? Die Politik seiner letzten Jahre ist ein Indiz dafür, dass die DDR im Systemwettbewerb nur um den Preis ihrer Selbstaufgabe hätte punkten können. Dieser Widerspruch war zugleich die Grundformel ihrer inneren Reformunfähigkeit. Erich Honecker versuchte, dem durch eine Politik des ungedeckten Schecks zu entkommen – auch das ein Traumtanz mit absehbarem Ende. Rolf Hosfeld hat in erzählerischem Duktus einen spannenden Essay geschrieben, nachdenklich und amüsant zu lesen.

Ulrich Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W.
Suhrkamp, Neuaufl. 2008.
Der 17-jährige Edgar Wibeau bricht seine Lehre ab und zieht nach Berlin, wo er sich in die 20-jährige Kindergärtnerin Charlie verliebt. Ulrich Plenzdorfs Roman über das Lebensgefühl junger DDR-Bürger wurde schon kurz nach Erscheinen ein Klassiker. Unvergessen ist der Satz: „Jeans sind eine Einstellung und keine Hosen.“

Michael Rauhut: Rock in der DDR.
bpb Bestell-Nr. 3.956; 2,00 €.
Rockmusik zählte in der DDR zu den wichtigsten jugendkulturellen Medien und war für viele ein Symbol für „Freiheit“ und „Anderssein“.

Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand.
Aufbau Taschenbuch, 11. Aufl. 2008.
Die junge Architektin Franziska Linkerhand wird mit der nüchternen Realität im Planungsbüro konfrontiert. Sie beginnt zu ahnen, dass sie scheitern könnte.

Hans-Ulrich Wehler: Bundesrepublik und DDR 1949-1990,
XVII. C.H. Beck 2008.
Hans-Ulrich Wehlers Deutsche Gesellschaftsgeschichte gehört zu den herausragenden historischen Werken unserer Zeit. Vor rund zwanzig Jahren erschien der erste Band über Deutschland von 1700 bis 1815 und wurde sofort ein großer Erfolg. Mit diesem eindrucksvollen fünften Band gelangt ein epochales Werk zum Abschluss, das mehr als dreihundert Jahre deutscher Geschichte umspannt und eine ganze Generation von Historikern geprägt hat. Es wird auf lange Sicht kaum ein anderes Werk geben, das in vergleichbarem Umfang die deutsche Geschichte zur Darstellung bringt. Wehlers tragendes Konzept ist gleich geblieben – und es trägt auch für die Zeit nach 1945: Politische Herrschaft und Kultur, Wirtschaft, soziale Ungleichheit stehen im Zentrum der Darstellung, die immer wieder die Frage umkreist, wie Herrschaft organisiert wird und welche soziale Realität sie hervorbringt. Dass dabei das Urteil über die DDR höchst kritisch ausfällt, mag nicht weiter überraschen. Doch auch die Bundesrepublik, so zeigt sich, weist bei aller demokratischen Verfasstheit überraschende Kontinuitäten sozialer Schichtung und Ungleichheit auf. Das gern gepflegte Bild von der offenen Gesellschaft mit Aufstiegsmöglichkeiten für jedermann erweist sich bei genauerer Betrachtung als empirisch wenig stichhaltig – vor allem die Kontinuität der Eliten und der Besitzverhältnisse ist, wie Wehler herausarbeitet, ein Kennzeichen auch der westlichen Demokratie der Nachkriegszeit.

Stefan Wolle: Die heile Welt der Diktatur. Hrsg. v. der Bundeszentrale für politische Bildung, bpb Bestell-Nr. 1.349, 2,-- €.
Stefan Wolle gelingt es, die widersprüchlichen Bilder einer unter gegangenen Welt zusammenzufügen. Er macht deutlich, dass die liebevoll hergerichteten Vorgärten der Datschensiedlungen und die sauber geharkten Todesstreifen an der Staatsgrenze zwei Seiten eines Systems darstellten.

Stefan Wolle: Der Traum von der Revolte. Die DDR 1968. Hrsg. v. der Bundeszentrale für politische Bildung, bpb Bestell-Nr. 1.728, 4,-- €.
Die Stimmung von Provokation und Respektlosigkeit unter den jungen Menschen im Westen wirkte 1968 auch über die Mauer hinweg. Stefan Wolle erklärt, warum es trotzdem nicht zu einer wirklichen Revolte und zu einem Generationswechsel in der DDR kam.


Mauerfall

Renatus Deckert (Hg.): Die Nacht, in der die Mauer fiel. Schriftsteller erzählen vom 9. November 1989. Originalausgabe. Suhrkamp 2009.
Der 9. November 1989 ging in die Geschichtsbücher ein: Die auf einer Pressekonferenz der DDR-Regierung irrtümlich verlesene Mitteilung, Reisen in den Westen seien ab sofort möglich, löste einen Sturm auf die Berliner Mauer aus, dem sich die Grenzsoldaten nicht widersetzen konnten. Nach 28 Jahren öffnete sich der Eiserne Vorhang. Wer die Nacht, in der die Mauer fiel, nicht verschlief, feierte auf den Straßen von Berlin. Dreißig Autoren aus Ost und West lassen die historische Nacht Revue passieren. In persönlichen Texten, die eigens für dieses Buch geschrieben wurden, erzählen sie, was sie erlebten, was sie fühlten und wie sie sich heute daran erinnern.

Peter Fritz: Der ratlose Riese. Deutschland 20 Jahre nach der Wende. Ueberreuter 2009.
20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ist die Zukunftsangst viel größer als die Zuversicht der Wendetage. Der Mauerfall war auch der Startschuss zur Globalisierung. Deutschland hat davon profitiert, aber jetzt rollt auch die globale Krise ungebremst über Deutschland hinweg. Viele trauern der alten Bundesrepublik nach, manche sogar der DDR-Diktatur. ORF-Korrespondent Peter Fritz war beim Mauerfall dabei, hat die Bonner Republik erlebt und berichtet jetzt wieder aus Berlin über Erlebnisse und Schicksale in diesen 20 Jahren und über die immer noch vorhandene Mauer in den Köpfen.

Christian Führer: Und wir sind dabei gewesen. Die Revolution, die aus der Kirche kam. Ullstein 2008.
Die von Christian Führer initiierten Friedensgebete in der Nikolaikirche bildeten den Auftakt zu den Leipziger Montagsdemonstrationen. Von hier aus nahm die friedliche Revolution in der DDR ihren Lauf. Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung erzählt der Pfarrer in seiner Autobiographie von der Aufbruchsstimmung und den Hoffnungen jener Zeit und resümiert, was heute davon geblieben ist. Die Geschichte eines ungewöhnlichen Lebens und ein sehr persönlicher Blick auf die historischen Ereignisse im Oktober 1989.

Reinhard Höppner: Wunder muss man ausprobieren. Der Weg zur deutschen Einheit. Mit einem Vorwort von Richard von Weizsäcker. Aufbau 2009.
Aus eigener Erfahrung und mit ebenso unterhaltsamen wie symbolträchtigen Episoden veranschaulicht Höppner Geschichte der DDR und den Aufstand gegen die SED-Herrschaft im Herbst 1989. In jenen Monaten vom Fall der Mauer bis zum Tag der Einheit schwankten viele Bürger zwischen der Freude über die neugewonnene Freiheit und der Angst vor künftigen Veränderungen. Die Dynamik der Ereignisse setzte auch Politiker in Ost und West unter Druck. Aufrichtig zieht Höppner Bilanz: Was hätte auf dem Weg zur Einheit besser gelingen können? Oder ließ das Tempo der Veränderung tatsächlich keinen Raum für Alternativen? Eine aufschlussreiche und eindrucksvolle Darstellung von einem glaubwürdigen Zeitzeugen für all jene, die diese dramatischen Ereignisse nicht unmittelbar miterlebt haben.

Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR.
C.H. Beck 2009.
Nur wenige welthistorische Ereignisse geschahen so unerwartet wie der Mauerfall vor 20 Jahren. Ilko-Sascha Kowalczuk schildert in diesem Buch, warum und wie es 1989 zur Revolution in der DDR kam und welche Entwicklungen die Zeit zwischen dem Sommer 1989 und den freien Wahlen vom 18. März 1990 prägten. Der Untergang der DDR lässt sich weder erklären noch verstehen ohne die vielfältigen Krisenerscheinungen zu berücksichtigen, die sich in ihren letzten Lebensjahren häuften. "In der DDR ist alles grau, nur die Flüsse sind bunt", lautete einer der sarkastischen Witze, mit denen die Ostdeutschen die desolaten Zustände aufs Korn nahmen. Angesichts der verheerenden wirtschaftlichen Lage und der politischen Reformunfähigkeit des SED-Regimes wandten sich immer mehr Menschen von dem System ab. Lebendig und anschaulich zeigt Kowalczuk, wie schließlich 1989 eine revolutionäre Situation heranreifte, die gleichermaßen von Zusammenbruch, Massenflucht, neuen Bürgerbewegungen und Massendemonstrationen gekennzeichnet war – ein beeindruckendes Panorama der untergehenden DDR und eine packende Geschichte der Revolution.

Ehrhart Neubert: Unsere Revolution. Die Geschichte der Jahre 1989/90. Piper 2008.
Die friedliche Revolution 1988 bis 1990 und die Wiedervereinigung sind einzigartig ebenso unwahrscheinlich in ihrem Verlauf wie in der Schnelligkeit und Wucht, mit der sie die Richtung der Weltgeschichte änderten. Zwanzig Jahre später unternimmt es Ehrhart Neubert zum ersten Mal, eine Gesamtdarstellung zu schreiben. Als Mithandelnder am Runden Tisch damals und Wissenschaftler heute vermag er das vielschichtige Geschehen nicht nur aus erster Hand zu erzählen, sondern es auch zu deuten und zu strukturieren. So kann er zeigen, wie der eine historische Augenblick möglich wurde, in dem sich die deutsche Revolution von unten entfalten, eine buchstäblich betonierte Herrschaft stürzen und die Weltpolitik verändern konnte. Eine dramatische Geschichte vom Widerstand gegen Mauern, von der Gewalt des Wandels, von mutigen Männern und Frauen und vom Glück der Geschichte, das ausnahmsweise mit den Schwachen war.

Katrin Seglitz: Der Bienenkönig.
Weissbooks GmbH 2009.
1989, die Mauer fällt aber die Brüder Richard und Walter, der eine im Westen, der andere im Osten, können zueinander nicht kommen. Zu verschieden sind die Befindlichkeiten und Denkweisen, zu unterschiedlich die Wunden, die ihnen zugefügt wurden. Zeugin des Bruderzwists ist die Erzählerin – Kornelia, Richards Tochter. Sie erinnert sich an Onkel Walters Bienenhaus im Osten, an Episoden ihrer Kindheit, an Besuche, an Gespräche und, mehr noch, an heikle Themen, über die in der Familie geschwiegen wurde. Und erzählt eine so wahre wie packende Geschichte, in der nach und nach aufgedeckt wird, wie sich Teilung, Mauerfall und Wiedervereinigung auf die Beziehung zweier Brüder ausgewirkt haben. „Der Bienenkönig“ ist ein Roman, der wie ein spannendes Geschichtsbuch gelesen werden kann oder auch wie ein Theaterstück aus unseren Zeiten, in denen es keine Königs-, aber Familiendramen gibt.

Kinder- und Jugendbücher zum Thema

Barbara Bollwahn: Der Klassenfeind + ich.
Thienemann 2007, empfohlen ab 13 Jahren.
Auf Bananen aus dem Westen kann Ramona notfalls verzichten. Nicht aber auf Jürgen, den Klassenfeind, in den sie sich im Ungarn-Urlaub Hals über Kopf verliebt hat. Und den sie nicht wiedersehen kann. Denn zwischen ihnen steht die Mauer, die Deutschland teilt. Was Ramona bewegt, hat sie in den Jahren 1984 bis 1990 ihrem Tagebuch anvertraut. Und darin muss sie kein Blatt vor den Mund nehmen. Authentische Einblicke in das Alltagsleben in der DDR.- Ein Stück Zeitgeschichte für alle, die nicht mit dabei waren. Mit ausführlichen Begriffserklärungen im Anhang.

Markus Burkhard: Macht ihr eure Wende, ich bin verliebt!
Terzio; Edition Quinto 2007, empfohlen ab 13 Jahren.
Der Sommer 1989, genauer gesagt die Zeit von Juli bis Oktober – Paul, ein 15-jähriger DDR-Jugendlicher erzählt aus jedem Monat einen Tag. Die politischen Ereignisse werden in der Regel von seinen privaten Erlebnissen überlagert. Mit ordentlich provinziellem Lokalkolorit und jeder Menge lakonisch erzähltem DDR-Familienalltag gerät der Wende-Roman zu einem köstlichen Gesellschaftsstück deutsch-deutscher Geschichte. Die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht sind mindestens so eine Wende wie die großen Ereignisse in Berlin. Typisch für Pauls Erfahrungswelt und den Stil des hoch unterhaltsamen Romans ist sein Eintrag zum 9. November 1989. 'Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen! Am 9. November fragt mich Cornelia, ob sie heute Nacht bei mir bleiben darf!'. Am Ende des geschichtsträchtigen Sommers hat Paul eine Menge Erfahrungen mehr mit Ost- und Westmädchen und ist dabei seinen blauen Pionierhemden nicht nur körperlich entwachsen.

Klaus Kordon: Krokodil im Nacken.
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2003. Beltz & Gelberg 2003. Gekürzte Schulausgabe: Beltz 2008, beide empfohlen ab 12 Jahren.
Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, Zelle 102. Hier sitzt Manfred Lenz. Seine Frau Hannah ist ebenfalls inhaftiert, die Kinder Silke und Michael sind im Heim untergebracht worden. Ein missglückter Fluchtversuch aus der DDR hat die Familie auseinander gerissen. Die Zeit im Gefängnis bedeutet Einsamkeit, Schikanen und endlose Stasi-Verhöre. In seiner Isolation lässt Manfred Lenz sein bisheriges Leben Revue passieren: Die Kneipe am Prenzlauer Berg, in der er nach dem Krieg aufgewachsen ist, der Einmarsch der sowjetischen Truppen auf dem Potsdamer Platz, der Tod der Mutter, das Kinderheim, das Jugendwohnheim – und dann die nur ein paar hundert Meter entfernte Grenze nach Westberlin. Der große Roman erzählt mit bestechender Authentizität deutsch-deutsche Zeitgeschichte. Erzählt wird die bewegende Lebensgeschichte von Manfred Lenz, der nach einem missglückten Fluchtversuch aus der DDR ein Jahr in Stasi-Gefängnissen verbringt. Ein Zeitpanorama, wie es spannender nicht sein könnte.

Angelika Reinsch: Hilfe – du hast eine Ossi-Mama!
Projekte-Verlag 2003, empfohlen ab 10 Jahren.
Wir schreiben 1989 – das Jahr der Wende in deinem Geburtsland DDR. Du wirst mich später fragen, was das war die DDR? Ein unbekanntes Land auf einem anderen Stern? Es wird nicht einfach sein, es dir zu erklären. Dieses persönliche Werk, das dennoch ein Geschichtsbuch ist, widmete die Autorin ihrer 1989 geborenen Tochter. Als eine von vielen "Ossi-Mamas" stellt sie allen Wende- und Nachwendekindern aus ihrer Sicht und ihrem Erleben ihr eigenes Geburtsland DDR vor.

Viola Türk: Der Vorhang fällt. Ein Mädchen erlebt den Sommer 1968 in Leipzig. Mit einem Glossar historischer Begriffe. Terzio; Edition Quinto; Altberliner Verlag 2005, empfohlen ab 10 Jahren.
Sommer in Leipzig, 1968. Die Mauer trennt bereits sieben Jahre den deutschen Osten vom deutschen Westen. In der damaligen DDR wird Kulturpolitik der eigenen Art betrieben, Traditionen und alte Werte sollen gegen neue ausgetauscht werden, Kunst ist nicht gleich Kunst. Das bekommt auch die 10jährige Anna zu spüren, deren Vater beim Theater arbeitet. Das merkt sie, wenn sie die Unruhen wegen der geplanten Sprengung der Uni-Kirche, auch St. Paulikirche genannt, bemerkt. Die Uni-Kirche ist das 800 Jahre alte Herzstück Leipzigs, ein Baudenkmal von unwiederbringlichem Wert, einzigartig in ganz Deutschland. Zusammen mit ihrem besten Freund Peter absolvieren sie die letzten Schulwochen dieses Sommers ... Ein packender, historisch belegter Roman, der viele Spannungsfelder des sozialistischen Deutschland in der Zeit von 1968 anspricht. Neben dem guten Einblick in den Schüleralltag von damals, werden viele Zusatzinfos bezüglich des gesellschaftlichen Verhaltens in der damaligen DDR gegeben.

Anne Ch. Voorhoeve: Lilly unter den Linden. Ausgezeichnet mit 'Die besten 7 Bücher für junge Leser', 07/2004. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2005, Kategorie Preis der Jugendlichen. Nachdr. Ravensburger Buchverlag 2009, empfohlen ab 12 Jahren.
Lilly hält nichts mehr in Westdeutschland. Ihre Eltern sind tot und sie will nichts mehr als bei ihrer Familie in der DDR zu sein. Sie flieht über die Grenze in den Osten. Dort trifft sie auf eine neue alte Welt.1988. Die dreizehnjährige Lilly hat ihren Rucksack gepackt. Das Ziel ihrer Reise ist klar. Sie will nach Jena in die DDR. Dort nämlich lebt ihre wunderbare Tante Lena mit ihrem Mann und ihren Kindern – die einzige Familie, die Lilly nach dem Tod ihrer Mutter noch bleibt. Doch mal eben von West nach Ost, das funktioniert nicht einfach so. Da gilt es nicht nur die Mauern der Bürokratie zu durchbrechen, sondern auch gegen die Schatten der Vergangenheit, die das Leben ihrer Familie im Osten bestimmen, anzukommen. Aber Lilly lässt sich nicht abschrecken und erobert eine neue Welt für sich.

 

Audiovisuelle Medien:

Christen in der DDR: 1. Klassenkampf und Kirche
Dokumentarfilm von Reinhard Henkys / Peter Moers, Deutschland 1999, 45 Min., f., Dokumentarfilm, FSK: o.A., empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, VC1395.
In dieser zweiteiligen Dokumentation unternimmt Reinhard Henkys, einer der profiliertesten Kenner der vierzigjährigen DDR-Kirchengeschichte, den Versuch einer Bilanz. In den ersten Nachkriegsjahren bekannten sich neun von zehn Deutschen in der DDR zur evangelischen oder katholischen Konfession. Als der Staat am Ende war, gehörte höchstens noch jeder vierte einer Kirche an. Im ersten Teil wird gezeigt, wie unter Walter Ulbrichts Herrschaft mit dem Kampf gegen die "Junge Gemeinde", dem öffentlichen Druck zum Kirchenaustritt und der Durchsetzung der Jugendweihe die Kirchen an gesellschaftlichem Einfluss verloren. Trotz aller Anstrengungen gelang es der DDR allerdings nicht, die Kirchen ganz zu beseitigen oder sich völlig gefügig zu machen. Erinnerungen von Zeitzeugen – etwa an den gesamtdeutschen Evangelischen Kirchentag 1954 in Leipzig – veranschaulichen dies.

Christen in der DDR: 2. Kerzen, Demos und Gebete
Dokumentarfilm von Reinhard Henkys / Peter Moers, Deutschland 1999, 45 Min., f., Dokumentarfilm, FSK: o.A., empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, VC1396.
Im zweiten Teil geht es vor allem um die Honecker-Ära. Als "Kirche im Sozialismus" strebten die Protestanten nach neuer gesellschaftlicher Relevanz. Der SED-Staat versuchte – vorwiegend aus außenpolitischen Gründen – "gute Miene zum bösen Spiel" zu machen. So wurde 1978 den evangelischen Kirchen Sendezeiten im DDR-Fernsehen eingeräumt. Das Luther-Jubiläum 1983 wurde auch mit staatlichem Pomp auf der Wartburg gefeiert. Doch die gewünschte Totalanpassung der Christen an den kommunistischen Staat blieb aus. Geschützt von Kirchenmauern bereiteten resistente Christen und Nichtchristen mit "Kerzen, Demos und Gebeten" der SED-Herrschaft ein gewaltloses Ende. Zu den befragten Zeitzeugen gehören u.a. Joachim Gauck (damals Pastor in Rostock) und Manfred Stolpe (damals leitender Kirchenjurist).

Damals in der DDR. Zeitzeugen erzählen ihre Geschichte.
bpb Bestell-Nr. 1.894; 6,00 €.
Auf der DVD-ROM schildern Zeitzeugen ihr Leben in der DDR-Diktatur. Ergänzt durch Originaldokumente entsteht dadurch ein facettenreiches Bild des Alltags.

Deutschlandspiel: 1. Auf die Straße
Spielfilm mit Dokumentarteilen  von Hans-Christoph Blumenberg, Deutschland 2000, 90 Min., f., FSK: o.A., empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, VC1622.
Das zweiteilige Doku-Drama des ZDF rekonstruiert die Geschichten hinter der Geschichte der Vereinigung Deutschlands in den Jahren 1989 – 1990, zeigt Konflikte, Diskussionen und Intrigen, die damals nicht bekannt werden durften. Überzeugend und prominent besetzte Spielszenen, Archivaufnahmen und Zeitzeugenaussagen verdichten sich zu einem historischen Krimi. Dazu äußern sich Entscheidungsträger von damals: George Bush, Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher, James Baker, Egon Krenz und Michail Gorbatschow. Teil 1: Oktober 1989. Mit den Feiern zum 40. Jahrestag der DDR beginnt die Schlussphase des sozialistischen Experiments auf deutschem Boden. Während die Hardliner des sozialistischen Weltlagers ihrem deutschen Musterschüler Honecker zuprosten und die Parade der NVA abnehmen, verlangt die Bürgerrechtsbewegung lautstark nach Freiheitsrechten. Noch rufen die Menschen nicht "Wir sind ein Volk", noch rufen sie schlicht "Wir sind das Volk" und "Gorbi, Gorbi" – dem SED-Regime zum Trotz. Hinter den Kulissen versucht Ehrengast Gorbatschow die DDR-Betonköpfe davon zu überzeugen, im eigenen Interesse innere Reformen durchzuführen. Doch Honecker lehnt ab. Die SED-Falken geben sich entschlossen, die anwachsende Protestbewegung notfalls mit Waffengewalt niederzuschlagen.

Deutschlandspiel: 2. Eilig Vaterland
Spielfilm mit Dokumentarteilen  von Hans-Christoph Blumenberg, Deutschland 2000, 90 Min., f., FSK: o.A., empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, VC1623.
Der 2. Teil des Doku-Dramas zeigt die Ereignisse nach dem Fall der Mauer. Am Morgen des 10. November 1989 beginnt ein internationales Tauziehen um die deutsche Frage. Gorbatschow ist verärgert darüber, dass man ihn in der entscheidenden Nacht nicht geweckt hat. Botschafter Kotschemassow in Ostberlin weiß auch nichts Genaues. Egon Krenz muss sich rechtfertigen. Helmut Kohl, in Warschau von den Ereignissen überrascht, will dringend nach Berlin. Bald laufen die Politiker den Ereignissen hinterher. Die DDR bekommt eine neue Regierung, Hans Modrow wird Ministerpräsident einer Koalitionsregierung, die SED muss die Macht teilen Politbüro und Zentralkomitee treten zurück, führende Funktionäre werden verhaftet, aber die Menschen verlassen weiterhin zu Tausenden das Land. Kohl überrascht Moskau und die westlichen Verbündeten mit dem 10-Punkte-Programm zur deutschen Einheit. In Paris ist man verstimmt, in London verärgert, Washington signalisiert eher Unterstützung. Doch der Schlüssel zur Einheit liegt in Moskau.

Good bye, Lenin!
Spielfilm von Wolfgang Becker, Deutschland 2003, 120 Min., f., Spielfilm, FSK: 6, empfohlen ab 10 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, DVS387.
Der Film reflektiert die politischen Ereignisse der deutschen Wiedervereinigung anhand der fiktiven Geschichte der Ostberliner Familie Kerner. Im Mittelpunkt steht der 21-jährige Alex (Daniel Brühl). Kurz vor dem Fall der Mauer fällt seine Mutter (Katrin Saß), eine selbstbewusste Bürgerin der DDR, nach einem Herzinfarkt ins Koma – und verschläft den Siegeszug des Kapitalismus. Als sie wie durch ein Wunder nach acht Monaten die Augen wieder aufschlägt, erwacht sie in einem neuen Land. Sie hat nicht miterlebt, wie West-Autos und Fast-Food-Ketten den Osten überrollen, wie Coca Cola Jahrzehnte des Sozialismus einfach wegspült, wie man hastig zusammen wachsen lässt, was zusammen gehört. Erfahren darf sie von alledem nichts: Zu angeschlagen ist ihr schwaches Herz, als dass sie die Aufregung überstehen könnte. Alex ist keine Atempause gegönnt. Um seine Mutter zu retten, muss er nun auf 79 Quadratmetern Plattenbau die DDR wieder auferstehen lassen. Schnell stellt er fest, dass sich dieser Plan schwieriger umsetzen lässt als erwartet. Die neue Wirklichkeit lässt sich vor der Wohnungstür nicht mehr ausbremsen: Während Mutters Geburtstagsfeier wird auf einer gegenüberliegenden Hauswand ein irritierendes Coca-Cola-Transparent entrollt. Nun ist Arbeitskollege Denis gefragt, mit dem Alex sich trotz des unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds angefreundet hat: Denis träumt davon, eines Tages Regisseur zu werden. Als neuer Sprecher der "Aktuellen Kamera" lässt er die DDR in einem Patentverfahren nicht nur über den Coca-Cola-Konzern siegen, sondern behauptet sogar, dass das Getränk eigentlich eine sozialistische Erfindung gewesen sei. So erzwingt eine Notlüge die nächste. Alex und Denis werden zu Regisseuren einer erfundenen Wirklichkeit. Christiane Kerner glaubt tatsächlich das Unfassbare. Als sie dann allerdings beschließt, neuen und Zuflucht suchenden Bürgern die Familiendatsche zu überlassen, wird Alex klar, dass sein Spiel ein Ende finden muss. - Ein Begleitheft zum Film kann unter der Signatur Afi 124 entliehen werden, das Drehbuch Afi 127. Deutscher Filmpreis 2003.

Kontraste: Auf den Spuren einer Diktatur.
bpb Bestell-Nr. 1890; 6,00 €
Die Edition umfasst drei DVDs mit 32 Filmen des ARD-Politikmagazins „Kontraste“, die in den Jahren 1987 bis 2001 ausgestrahlt wurden. Auf einer Gesamtlänge von über sechs Stunden dokumentieren sie das Ende der DDR, angefangen von den Protesten der Oppositionsbewegung Ende der 1980er-Jahre über den „Sturm auf die Stasi“ 1990 bis hin zur schwierigen Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit im vereinigten Deutschland.

Das Leben der Anderen
Spielfilm von Florian Henckel von Donnersmarck, Deutschland 2005, 137 Min., f, FSK: ab 12, empfohlen ab 12 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, DVS387.
Ost-Berlin, November 1984. Fünf Jahre vor seinem Ende sichert der DDR-Staat seinen Machtanspruch mit einem erbarmungslosen System aus Kontrolle und Überwachung. Als Oberstleutnant Anton Grubitz (Ulrich Tukur) den linientreuen Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) auf den erfolgreichen Dramatiker Georg Dreyman (Sebastian Koch) und seine Lebensgefährtin, den Theaterstar Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck), ansetzt, verspricht er sich davon einen Karriereschub. Immerhin stehen höchste politische Kreise hinter dem „operativen Vorgang“. Womit er nicht gerechnet hat: Das intime Eindringen in die Welt der Observierten verändert auch den Spitzel. Das Eintauchen in „Das Leben der Anderen“ – in Liebe, Literatur, freies Denken und Reden – macht Wiesler die Armseligkeit seines eigenen Daseins bewusst und eröffnet ihm eine nie gekannte Welt, der er sich immer weniger entziehen kann. Doch das System ist nicht mehr zu stoppen – ein gefährliches Spiel beginnt, das die Liebe zwischen Dreyman und Christa-Maria Sieland in den Abgrund reißt und Wieslers bisherige Existenz vernichtet. Bis die Mauer fällt, haben alle einen hohen Preis gezahlt. Danach beginnt eine andere Welt.

"Mensch Biermann" – Dokumente einer Ausbürgerung
Dokumentarfilm von Carsten Krüger. BRD 1976
Als Wolf Biermann im November 1976 eine Tournee durch die Bundesrepublik genehmigt wurde, diente das erste Konzert in Köln zum Vorwand, um ihn wegen "Staatsfeindlichkeit" aus der DDR auszubürgern. Auf der Fahrt zu einem Konzert in Bochum hörte Biermann am 16. November 1976 im Autoradio, dass ihm das "Recht auf weiteren Aufenthalt in der Deutschen Demokratischen Republik" entzogen worden war. Der Filmemacher Carsten Krüger, der ursprünglich nur einen kurzen Hintergrundbericht über Biermanns Aufenthalt in der Bundesrepublik drehen sollte, schaltete nach der Nachricht von der Ausbürgerung seine Kamera nicht mehr aus. So entstand ein einzigartiges Filmdokument, das die ersten Stunden und Tage nach der SED-Entscheidung gegen Biermann dokumentiert.

Nikolaikirche
Spielfilm mit Dokumentarszenen von Frank Beyer nach dem gleichnamige Roman von Erich Loest, Deutschland 1995, 138 Min., f, FSK: ab 6, empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, DVS443.
Der erste Part des zweiteiligen Films zeigt den Riss, der durch die Familie Bacher geht: Tochter Astrid sieht als Architektin der Leipziger Stadtverwaltung in der sturen Planerfüllung keinen Sinn mehr, während ihr Bruder Alexander als Hauptmann der Stasi noch ganz vom System überzeugt ist. Zur gleichen Zeit beginnt sich die Widerstandsbewegung der Leipziger Nikolaikirche um ihren Pastor Ohlbaum zu formieren. Der zweite Teil beschreibt die Zuspitzung der Konflikte: die Verunsicherung der Stasi, die zu immer schärferen Maßnahmen gegen kritische Bürger greift. Auch die Konfrontationen innerhalb der Familie Bacher werden heftiger. Der Film zeigt aber auch die Hoffnung, den Mut und schließlich den Sieg über die Staatsgewalt, dargestellt in einer Mischung aus Dokumentar- und Spielszenen.

Nikolaikirche Leipzig – Beobachtungen beim Leben mit einem Mythos
Hördokumentation von Matthias Fink, Deutschland 1997, 55 Min., empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, C430.
Die Sendung des Bayerischen Rundfunks betreibt Spurensuche in der jungen deutschen Zeitgeschichte. Die Leipziger Altstadtkirche, von der 1989 die Montagsdemonstrationen ausgegangen sind, wird als Brennpunkt der Wende ausgeleuchtet. Dabei werden die vergangenen Ereignisse ins Licht gerückt und Gegenwartsbezüge hergestellt. Pfarrer Christian Führer, der die Kirche den kleinen Basisgruppen jeden Montag um 17 Uhr zur Verfügung gestellt hatte, schildert die Ereignisse von damals. Bis heute bietet die Nikolaikirche Raum für Menschen in schwieriger Lage und schützt gegen staatliche Eingriffsversuche. An die Stelle des Gesprächskreises "Hoffnung für Ausreisewillige" ist eine christliche Erwerbsloseninitiative getreten.

Parallelwelt: Film. Ein Einblick in die DEFA.
bpb Bestell-Nr. 1.568; 25,00 €.
Vom Schnulzenfilm bis zum Propagandastreifen – viele Hundert Filme entstanden nach dem Krieg in der DEFA, die die sowjetische Besatzungsmacht als erste deutsche Filmproduktionsgesellschaft in Potsdam-Babelsberg initiiert hatte. Diese Edition enthält zwölf ausgewählte Filme auf DVD.

Raus aus der Haut
Spielfilm von Andreas Dresen, Deutschland 1997, 90 Min., f., Spielfilm, FSK: 12, empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, DVS417.
Die DDR im "deutschen Herbst" 1977: Marcus ist heimlich verliebt in Anna, die mit ihm in die 12. Klasse geht. Anna aber steht mehr auf Randy – und das nicht nur wegen seiner Rockband. Als Anna ein Bild der RAF aus dem "Spiegel" in die Klasse mitbringt, wird sie ausgerechnet von dem linientreuen Schuldirektor Rottmann dabei erwischt. Die Konsequenz: Rottmann droht, ihre Bewerbung für ein Medizinstudium zu verhindern. Für Anna, die aus einer Medizinerfamilie kommt, ist das eine Katastrophe. Marcus nutzt die Chance, um Anna zu imponieren und stiehlt das brisante Material aus dem Lehrerzimmer. Doch der Diebstahl fliegt auf und bringt ihn und Anna erst recht in die Zwickmühle. Eigentlich hätte Marcus sich ja niemals dazu überreden lassen, aber weil die Idee von Anna kam, ließ er sich breitschlagen. Und so wird Rottmann nach dem Vorbild der RAF einfach entführt und im abgelegenen Keller von Annas Großmutter festgehalten. Spätestens nach der Fachlehrer-Konferenz, die über die Studienbewerbungen entscheidet, soll Rottmann wieder frei sein. Doch die Schwierigkeiten fangen damit erst richtig an. Denn Annas Großmutter entdeckt den Entführten. Immerhin: In der Schule wird schon mal ein neuer Direktor eingesetzt. Und als Rottmann später wieder auftaucht, glaubt ihm keiner seine Geschichte.

Sonnenallee
Spielfilm von Leander Haußmann, Deutschland 2000. 94 Min., f., Spielfilm, FSK: 6, empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, DVS184.
Die DDR in den siebziger Jahren – zu einer Zeit, in der es noch "Abschnittbevollmächtigte" gibt, die Sowjetunion der große Bruder, der Rest der Welt mehr oder weniger der Klassenfeind, die Mauer der "antifaschistische Schutzwall" und die DDR das Land ist – in dem der Protagonist Micha Ehrenreich lebt. Er wohnt in einer Straße, deren längeres Ende im Westen und deren kürzeres Ende im Osten liegt: die Sonnenallee. Micha ist 17 Jahre alt, liebt Pop-Musik und Cola, träumt davon, Pop-Star zu werden und kleidet sich für den Abschnittsbevollmächtigten eine Spur zu modisch. Die Wohnung ist eng, der Nachbar bei der Stasi und auch die Erwachsenen lassen nichts unversucht, sich ein paar Annehmlichkeiten zu verschaffen: Man trinkt den Kaffee von "West-Onkel" Heinz, einem ewigen Besserwisser und leidenschaftlichen Schmuggler, genießt die Nylons aus eben dieser Quelle und ein gefundener westdeutscher Pass lässt Michas Mutter um Jahre altern und sogar schon von einem Leben "jenseits der Mauer" träumen. Das Wichtigste für Micha aber ist Miriam. Micha legt ihr sein Leben zu Füßen und lernt dabei, es in die eigenen Hände zu nehmen.

Der Tunnel
Spielfilm von Roland Suso Richter, Deutschland 2000, 180 Min., f., Spielfilm, FSK: 12, empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, DVS179.
Am 13. August 1961 riegelt die DDR die Sektorengrenze zwischen Ost- und Westberlin mit einer Mauer ab. Schwimm-Meister Harry Melchior flieht noch im Herbst 1961 aus der DDR in den Westteil Berlins, nachdem er seiner Schwester Lotte versprochen hat, sie so bald wie möglich nachzuholen. Sein Freund Matthis Hiller hat sich einer Fluchthelferclique angeschlossen. Da die üblichen Fluchtwege inzwischen versperrt sind, sieht Harry nur eine Möglichkeit: Sie müssen einen Tunnel in den Osten graben. Von einem Keller einer alten Fabrik an der Bernauer Straße aus geht die strapaziöse Arbeit los. Doch Stasi-Oberst Krüger – ein Erzfeind von Harry – schläft nicht und ist ihnen ständig auf der Spur. Er ahnt etwas von der Arbeit der Tunnel-Bauer. Als den Akteuren das Geld ausgeht, wecken zwei von ihnen das Interesse des amerikanischen Fernsehsenders NBC. Gegen ein entsprechendes Honorar dürfen dessen Kameraleute im Tunnel einen Dokumentarfilm drehen. Am 14. September 1962 gelingt tatsächlich der Durchstich im Keller eines Wohnhauses in der Schönholzer Straße. 29 Männer, Frauen und Kinder kriechen durch den Tunnel. - Spielfilm nach wahren Begebenheiten.

...zur Freiheit – Die Geschichte der Berliner Mauer
Dokumentation von Ludwig Ott, Deutschland 1997, 2 CD-ROM Hg.: FWU. 2 CD-ROM, Dokumentation, FSK: ab 12, empfohlen ab 14 Jahren. Ausleihbar u.a. im Ökumenischen Medienladen Stuttgart, CDR013.
Umfangreiches dokumentarisches Film-, Bild- und Tonmaterial ermöglicht in drei großen Kapiteln (Zeit des kalten Krieges / Der Weg des Widerstandes / Die Mauer fällt) eine "Zeitreise" durch 45 Jahre deutsche Nachkriegsgeschichte von 1945 bis 1990. Dabei kommt der Geschichte Berlins und der Teilung und Wiedervereinigung eine zentrale Rolle zu. Die Videosequenzen werden ergänzt durch Kurzbiographien, ein Lexikon, Zeitzeugenberichte, Pressebeiträge aus Ost und West sowie Informationen zu "Grenzmuseen" entlang der ehemaligen Demarkationslinie. Insgesamt 110 Minuten Filmdokumente und über 900 Dokumentarbilder.

 

 

Internetlinks:

DDR und danach

www.ChronikderMauer.de
Ursachen, Verlauf und Folgen des Mauerbaus und Mauerfalls unter anderem dokumentiert in Filmausschnitten, Fotos und Originaltönen aus dem RIAS-Archiv.

www.deinegeschichte.de
Auf der Seite „Deine Geschichte“ können Jugendliche selber Geschichte schreiben. Sie können ihre Eltern und Großeltern zur DDR befragen und eigene Beiträge verfassen.

www.Jugendopposition.de
Hintergründe, Materialien zur Jugendopposition in der DDR – Chronik von 1950 bis zur Wende,

Biografien von Zeitzeugen (s.u.).

http://www.stiftung-hsh.de/
Homepage der Gedenkstätte Hohenschönhausen-Berlin (ehemaliges Stasi-Gefängnis).

www.toomuchfuture.de
Umfangreiche Website zur Punkmusik in der DDR.

 

China

http://www.youtube.com/watch?v=XJBnHMpHGRY
Video der BBC-Reportage zum Massaker auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ in China am 4. Juni 1989 (knapp 4 Min.).

 

Korea

http://de.wikipedia.org/wiki/Südkorea
Ausführliche Informationen über Südkorea, die auch Nordkorea betreffen.

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Korea/Welcome.html
Ständig aktualisierte Berichte über Korea von der AG Friedensforschung an der Universität Kassel.

 

Zeitgenossen

http://www.jugendopposition.de/index.php?id=2806
Aussagekräftige Biografie zu Wolf Biermann, u.a. von Bundeszentrale für politische Bildung verantwortet.

http://mediathek.ard.de/ard/servlet/content/1899838
Unter diesem Link der ARD-Mediathek findet man von SWR 2 „Zeitgenossen“ ein Gespräch (44 Min.) mit Pfarrer Christian Führer über den 9. Oktober 1989.

http://www.sillyhome.de
Homepage der Gruppe „Silly“, von denen u.a. „Verlorne Kinder“  aus dem Jahr 1989 stammt.

http://www.jugendopposition.de/index.php?id=3402
Aussagekräftige Biografie zu Bettina Wegner, u.a. von Bundeszentrale für politische Bildung verantwortet.

Die Macher des Films

Der Journalist und Moderator Willi Weitzel
Er verfügt durchaus auch über einen Familiennamen und sogar über eine zweiten Vornamen. Willi heißt mit vollständigem Namen Helmar Willi Weitzel. Das Licht der Welt erblickte der Kinderfernsehen-Moderator mit dem fröhlichen Lächeln 1972 in Stadtallendorf bei Marburg (Hessen). An der Stiftsschule St. Johann in Amöneburg machte er sein Abitur. Danach leistete er Zivildienst. Seit vielen Jahren lebt Willi Weitzel in München. Er hat Lehramt für Hauptschule studiert. Ein Praktikum beim Bayerischen Rundfunk gab seinem Berufsleben eine andere Richtung. Ab da wollte Willi Weitzel lieber in den Medien arbeiten. Während seiner Arbeiten für den Kinderfunk bot sich ihm die Chance an, in ein neu konzipiertes Kinder-TV-Reportageformat einzusteigen. „Willi will‘s wissen“ war damit geboren. Mit Erfolg: Seit November 2001 ist er als Reporter für "Willi will‘s wissen" aktiv im Einsatz und hat schon zahlreiche Preise gewonnen, so zum Beispiel den „Robert-Geisendörfer-Preis“ von der Evangelischen Kirche, den „Bayerischen Fernsehpreis“ und den „Erich-Kästner-Fernsehpreis“. Bei Kindern wie bei Erwachsenen erfreut sich Willi wegen seiner offenen und unkomplizierten Art, seinen spontanen Einfällen und seinem Humor großer Beliebtheit. Im Jahr 2005 kamen die Magazine „Willis VIPs“  und „Willis Quiz Quark Club“ hinzu. Alle Sendereihen werden im Auftrag des Bayerischen Rundfunks von megaherz film und fernsehen produziert; ausstrahlende Sender sind ARD, KI.KA, BR, WDR, hr und SWR. Im Baumhaus-Verlag erscheinen die Sachbücher und DVDs zu den Reportagethemen „Willi will‘s wissen“.

Andreas Ziemer
geb. 1968 in Osterburg/Altmark, studierte Evangelische Theologie und Religionspädagogik in Halle, Berlin und Basel. Er arbeitete als Honorardozent für Ethik und Lebensfragen an der Euro-Schule Wolfen/Bitterfeld. Das Vikariat machte er im Kirchenkreis Wittenberg, wo er als und Gemeindepfarrer tätig war. Seit 2002 ist er Schulpfarrer in Osterwieck und Dozent am Pädagogisch-Theologischen Institut der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands.

Preise

Wer war das Volk? - Willi und der Mauerfall

DVD "Wer war das Volk?"

69,00 EUR
Mit Recht zur öffentl. Aufführung

29,80 EUR

Rabattpreis für kirchliche Einrichtungen in Württemberg

219,00 EUR
Mit Recht zum Verleih und zur öffentl. Aufführung
Für kirchliche Einrichtungen aus Württemberg 35% Rabatt.

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